Peter Y. Solmssen
Löschers Mann für Recht, Ordnung, Kunst und Kultur

Der neue Siemens-Vorstand Peter Solmssen personifiziert den Umbruch an der Spitze: ein weltläufiger Jurist mit deutschen Wurzeln. Solmssen, das ist mehr als eine Personalie, es ist eine Botschaft, die zahlreiche Facetten zeigt.

MÜNCHEN. Will ein neuer Chef reüssieren, so gehört es zu den vielerorts erfolgreich erprobten Rezepten, dann auch neue Leute um sich zu scharen. Insofern haben die Korruptionsskandale, die Siemens seit Monaten erschüttern, für Peter Löscher, seit Juli Vorstandsvorsitzender, auch eine positive Seite: Sie sorgen automatisch für frischen Wind in der Siemens-Spitze. Schon Ende September wird ein Platz frei. Karl Feldmayer, von der Staatsanwaltschaft Nürnberg als Beschuldigter geführter Zentralvorstand, wird das Feld räumen. Dafür rückt mit Peter Y. Solmssen der erste US-Amerikaner in die Führungsspitze des Weltkonzerns ein (Y. soll übrigens für York stehen, sagen Freunde).

Solmssen, das ist mehr als eine Personalie, es ist eine Botschaft, die zahlreiche Facetten zeigt. Erstens: Mit Solmssen bekommt ein Chefjustiziar erstmals Vorstandsrang, der 52 Jahre alte Jurist rückt als Antikorruptionschef ins Machtzentrum des Weltkonzerns auf. Zweitens personifiziert Solmssen die weitere Internationalisierung. Drittens steht er dafür, dass Siemens das größte Problem – die Ermittlungen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC – zu einem für beide Seiten akzeptablen Ende führen will. Viertens kommt der perfekt Deutsch sprechende Manager direkt vom großen Rivalen General Electric (GE), und fünftens ist er mit all dem vor allem eins: Peter Löschers Mann.

Mit Solmssen haben Siemens und Löscher einen höchst interessanten Kopf für eine ziemlich knifflige Aufgabe gefunden. Er ist der Sohn des aus Berlin stammenden Juristen und Romanciers Arthur Solmssen. Er wächst in großbürgerlicher Umgebung auf. Wie sein Vater hat auch Peter in Harvard studiert, zuvor aber lernte er richtig Deutsch – als Helfer bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Dort soll er die britische Königsfamilie vor den damals schon aktiven Paparazzi geschützt haben.

Zurück in den USA, studierte er Literatur und Geschichte, dann Jura. Es folgte eine saubere amerikanische Juristenkarriere – zunächst als Verwaltungsangestellter eines Bundesgerichts, dann als Anwalt für große Kanzleien. Für eine der ganz großen dieser Welt, Morgan, Lewis & Bockius baute er von 1989 bis 1998 das Frankfurter Büro auf.Dabei bekam er es als Chef für Mergers & Acquisitions auch mit Dax-Unternehmen zu tun. „Ein durchsetzungsstarker Jurist und Manager, der aber weiß, wie wichtig Konsens ist“, sagt Christian Zschocke, Managing Partner von Morgan Lewis und Ex-Kollege. Ähnliche Qualitäten sagt man auch Peter Löscher nach.

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