Pfadfinder als Wirtschaftsbosse
Die Manager vom Lagerfeuer

Die Pfadfinder sind längst nicht mehr nur für Romantiker da, sondern Teil des Big Business. Viele heutige Manager trugen früher regelmäßig das symbolische Halstuch. Die Elite hat sich jetzt in München getroffen.

GENF/MÜNCHEN. Sie sitzen am Feuer, schlafen im Zelt, tragen, solange es geht, kurze Hosen und immer ein Halstuch. Sie sind nach den Religionsgemeinschaften mit mehr als einer halben Milliarde aktiver und ehemaliger Mitglieder die größte Vereinigung der Welt. Und sie sind eine der erfolgreichsten Kaderschmieden für Wirtschaftsbosse: die Pfadfinder.

Bill Gates hat hier gelernt, jeden Tag eine gute Tat zu tun und darüber zu reden. Der deutsche Industrielle mit Schweizer Pass, Klaus Jacobs, zählt noch immer zu den größten Gönnern wie viele deutsche Top-Manager. Eberhard von Koerber, ehemaliges BMW- und ABB-Vorstandsmitglied, wird am Lagerfeuer „Ebbo“ gerufen und war auch schon Stiftungsratspräsident der Pfadfinder. Ex-Metro-Chef Erwin Conradi lernte bei den Pfadfindern, wie er mit Sippenführern umgehen muss. Und Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn hat in frühen Jahren bewiesen, dass Pfadfinder keine reine Männerhorde sind.

Heute ist der bekannteste Kopf der Bewegung der schwedische König Carl Gustaf. Seine Majestät sitzt an diesem Freitagmorgen auf dem dritten Stuhl von rechts am langen Tisch im Konferenzraum „Milano“ des Münchener Edelhotels Mandarin Oriental und spielt mit dem Flaschenöffner. Vor 50 Jahren hat der Mann mit dem goldenen Siegelring am kleinen Finger zum ersten Mal die kurze Hose angezogen und das Halstuch umgebunden.

Warum? „Pfadfinder vermitteln Führungsqualitäten“, sagt der König und Ehrenpräsident der Pfadfinderstiftung und tritt gleich den Beweis an: „55 Prozent der schwedischen Vorstandschefs waren Pfadfinder, aber nur fünf Prozent aller Schweden waren Mitglied.“ Dann erzählt er von Kameradschaften, die er noch heute pflegt. Seine Stimme hat beinahe etwa Schwärmerisches, wenn er dem Handelsblatt sagt: „Bei den Pfadfindern sitzt keiner auf der Ersatzbank.“

„Es ist ein Glück, dass wir den König haben“, sagt „Ebbo“ von Koerber. Abends beim Pfadfinder-Empfang von Herzog Franz von Bayern im Schloss Nymphenburg sitzt er neben Carl Gustaf. Von Koerber ist derart überzeugter Pfadfinder, dass er das Netzwerk gerne auch fürs Big Business nutzt. Als er neulich Geld in den USA investierte, suchte er einen verlässlichen Geschäftspartner und fand einen „Eagle-Scout“, einen Mann, der einst Anführer bei den Pfadfindern war. „Da wusste ich, der ist in Ordnung“, sagt von Koerber.

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