Pfizer-Deal
William Weldon und die Sache mit dem Kugelschreiber

William Weldon hat sich bei Johnson & Johnson hochgearbeitet. Mit dem Kauf der Rezeptfrei-Sparte von Pfizer krönt er seine Karriere.

NEW YORK. Seinen ersten Job bekommt er, weil er einen Kugelschreiber zerlegen kann. Als sich William C. Weldon 1971 für den Vertrieb bei einer Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson bewirbt, fordert ihn der Personalchef auf: „Verkaufen Sie mir ihren Stift.“ Weldon zerlegt das Schreibgerät, erklärt die Funktion der Einzelteile und den Nutzen des Geräts.

„Der Junge hatte Feuer. Ich habe ihn auf der Stelle angeheuert“, sagt der damalige Personalchef Howard Klick dreißig Jahre später der „Business Week“. Zu diesem Zeitpunkt, 2001, ist der Junge mit dem Feuer bereits auf dem Sprung, die Führung des US-Pharma- und Konsumgüterkonzerns Johnson & Johnson (J&J) zu übernehmen, eines der bestgemanagten Unternehmen der Welt.

Und das Feuer ist offensichtlich nicht erloschen. Gestern hat er angekündigt, die Sparte für rezeptfreie Medikamente des US-Pharmariesen Pfizer für satte 17 Milliarden Dollar zu kaufen. Damit will sich Weldon die weltweite Führungsposition in diesem lukrativen Segment des Pharmageschäfts sichern. Er erwirbt Marken wie Listerine-Mundwasser und Nicorette, die in den USA erfolgreich sind. Weldon, sagen Beobachter, ist jetzt auf dem Gipfel der Macht.

Geschenkt hat ihm diesen Erfolg niemand. Der Weg in die Führungsetage von J&J in New Brunswick war weit für den 1948 in den Arbeitervierteln von Brooklyn geborenen Sohn einer Kostümnäherin und eines einfachen Bühnenarbeiters. Doch Weldon galt bereits in der Universität als eiserner Arbeiter. Der Biologe steigt bei J&J ins Management auf, übernimmt Funktionen in Europa und Asien und kehrt 1989 in die USA zurück, wo er aus dem Pharmabereich in den chirurgischen Bereich wechselt. Er weiß, dass J&J hier enormen Nachholbedarf hat.

Seine Rechnung geht auf. Als President der Tochter Ethicon Endo-Surgery (EES), spezialisiert auf chirurgische Instrumente, erwirbt er sich die Reputation für größere Aufgaben. Er schafft es, EES zum Marktführer zu machen. Dann wird der Basketballfan, der als dominant und hart durchgreifend gilt, zur Pharmasparte von J&J gerufen, die Ende der 90er-Jahre in die Krise schliddert. Gleich fünf Produkte, alles Hoffnungsträger, müssen noch in der Entwicklungsphase eingestellt werden. Ein Diabetismedikament fällt im klinischen Test durch.

Sanierer Weldon, verheiratet und Vater zweier Kinder, löst die Probleme und rückt schnell bis zum Chief Executive Officer (CEO) Ralph Lasen vor. 2001 wird Weldon Vice-Chairman und beginnt seinen Stil durchzusetzen: Wachstum durch Akquisitionen. Bereits nach zwei Monaten kauft er ein Pharmaunternehmen im kalifornischen Silicon Valley. Zehn Monate später wird er Chairman und CEO. Im Februar 2003 schließt er den ersten Milliardendeal ab: Er kauft die Biotech-Firma Scios – und nun die Pfizer-Sparte.

Vielleicht habe er jetzt sein Glück überreizt, argwöhnen Analysten. Sie halten die Expansion im Bereich der Gesundheitspflege für richtig, aber sind überrascht über den im Branchenvergleich hohen Kaufpreis: das 24-Fache des Vorsteuergewinns. Sie fürchten, Erfolgsmensch Weldon habe sich verleiten lassen, mehr zu zahlen, weil er beim Medizintechnikriesen Guidant unterlag.

„Die Marken von Pfizer sind extrem gut. So etwas kommt nur sehr selten auf den Markt“, rechtfertigt sich der Konzernchef. Jetzt ist wieder die Überzeugungskraft des jungen Verkäufers Weldon gefragt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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