Pfizer
Der neue Chef ist ein Spätberufener

Der neue Pfizer-Chef Ian Read ist seit 1978 bei Pfizer und soll jetzt das Rezept für die Zukunft finden. Der 57-jährige Brite wurde überraschend zum Chef des weltgrößten Pharmakonzerns ernannt, Vorgänger Jeffrey Kindler gab seinen Posten auf.
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NEW YORK, FRANKFURT. Ian Reads Weg an die Spitze hat lange gedauert. Doch nach 32 Jahren ist er jetzt endlich am Ziel - und das schneller als gedacht: Der 57-jährige Brite wurde überraschend zum Chef des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer ernannt. Sein zwei Jahre jüngerer Vorgänger Jeffrey Kindler gab seinen Posten Sonntagabend auf - offiziell, weil er nach der stressigen Zeit an der Spitze seine "Batterien wieder aufladen" müsse. Branchenfachleute gehen indes davon aus, dass Investoren in den vergangenen Monaten seine Ablösung forciert haben.

Mit der Entscheidung, einen altgedienten Konzernmanager zum Vorstandschef zu machen, kehrt der US-amerikanische Pharma-Riese zu alten Prinzipien zurück. Die rasante Karriere des Juristen Kindler gilt als Ausnahme: Er begann 2002 als Chef-Justiziar bei Pfizer und wurde 2006 die Nummer eins beim New Yorker Konzern.

Read hat dagegen einen klassischen Konzern-Aufstieg hinter sich: Nach seinem Studium in London startet der Chemie-Ingenieur 1978 als Innenrevisor bei Pfizer. 1996 übernimmt er die Verantwortung für das Pharma-Geschäft in Lateinamerika und Kanada. 2001 kommt Europa hinzu, später folgen die Regionen Afrika und Mittlerer Osten. Seit vier Jahren leitet er das Pharmageschäft von Pfizer, das für rund 85 Prozent des Gesamtumsatzes steht. Dennoch hat sich Read weitgehend im Hintergrund gehalten. Außerhalb von Fachkreisen ist Read kaum bekannt. Sein Privatleben hält er aus der Öffentlichkeit heraus.

Ian Read übernimmt den Konzern in einer schwierigen Phase. Patente von umsatzstarken Medikamenten laufen aus, die Produktpalette ist schwach und die Ausbeute in der Forschung mager. Das hat auch den Aktienkurs gedrückt. Seine Ernennung wird als ein Zeichen dafür gewertet, dass sich Pfizer nach einer Phase der Zukäufe nun stärker auf das operative Geschäft konzentrieren will. Unter Kindler übernahm Pfizer den Konkurrenten Wyeth für die Rekordsumme von 69 Milliarden Dollar, um eigene Schwächen in der Forschung zu kompensieren. Read gab sich zum Amtsantritt optimistisch. "Wir haben alle Elemente für einen Erfolg - finanzielle Stärke, globale Reichweite, einen disziplinierten Fokus auf therapeutische Bereiche mit dem stärksten Wachstumspotenzial und talentierte Mitarbeiter", betonte der neue Pfizer-Chef in einer Mitteilung. Fernseh-Interviews zum Start der Börse gab er nicht.

Dank umfangreicher Sparprogramme im Zusammenhang mit der Wyeth-Integration verdient Pfizer zwar nach wie vor glänzend. So rechnen Analysten für 2010 mit rund 67 Milliarden Dollar Umsatz und fast 18 Milliarden Dollar Reingewinn. Bereinigt um die Zukäufe sind die Erlöse des Konzerns jedoch rückläufig und dürften 2011 aufgrund wichtiger Patentabläufe noch kräftiger schrumpfen. Im Zentrum steht dabei Pfizers Bestseller Lipitor, ein Medikament gegen erhöhte Cholesterinwerte, das zuletzt rund elf Milliarden Dollar Jahresumsatz erzielte. Investoren hoffen nun, dass Read die Produktentwicklung wieder auf Kurs bringt und so die Aktie steigen lässt.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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