Pflege des Image
Luxus made in Argentina

Die Polo-Hemden von La Martina waren der Hit des Sommers. Vater des Erfolgs: der medienscheue Lando Simonetti.

HB Buenos Aires. Polo“, doziert Lando Simonetti, „wird allgemein mit Prinz Charles und Champagner assoziiert.“ Dieses Image aber habe wenig zu tun mit dem echten Polosport, zu dem sich der 62-jährige Gründer von La Martina zählt, der Kultmarke des Polo-Sports: „Wir sind low profile.“

Das Profil niedrig halten, dies scheint in der Tat eine Maxime des italienischstämmigen Unternehmers zu sein, dessen Marke in Amerika und Europa inzwischen Kultstatus genießt. Wenig ist über ihn bekannt, Fotos sind eine Rarität. Interviews in argentinischen Zeitungen gibt er grundsätzlich nicht. Selbst in den Hochglanzbroschüren von La Martina taucht Simonettis schmales, leicht wettergegerbtes Gesicht nicht auf.

Auch der Firmensitz von „La Martina“ in Buenos Aires hat mit der mondänen Seite des Polo wenig gemein. Das schmale, dreistöckige Haus im belebten Mittelstandsviertel Caballito schreit geradezu nach einem neuen Anstrich, die ehemals weiße Hauswand ist von einem grünlichen Belag überzogen. Es gibt kein Firmenschild am Haus, und auch an der Klingel steht nichts. Ein Wachmann öffnet die Tür, der Besucher betritt eine Lagerhalle, bevor es die Treppen hinauf zu den Büroräumen im zweiten Stock geht. Die Wände sind weiß getüncht und ohne Schmuck. Überall junge Gesichter, das Durchschnittsalter der Leute hier ist 23 Jahre. Man duzt sich, die Kleidung ist informell, auch der Chef erscheint sportlich leger im blauweiß gestreiften La-Martina-Hemd. Der dritte Stock wird gerade ausgebaut: Expansion.

Simonetti und sein Team sind die kreative Schaltzentrale eines Unternehmens, das einen erstaunlichen Weg hinter sich hat. Spätestens seit dem Frühjahr tragen solvente Jungmanager gerne die bunten und aufwendig bestickten Polo-Hemden aus Argentinien, schmücken sich mit den Teamfarben der ersten russischen Polo-Mannschaft aus St. Petersburg genauso wie mit denen der Nationalmannschaft von Barbados – Mode für echte Polo-Spieler und die, die dafür gehalten werden möchten.

Ausgangspunkt des internationalen Erfolgs waren die USA. „Der große Boom für Polo und alles, was dazugehört, begann vor etwa drei bis vier Jahren“, sagt Veronica Santa Maria vom internationalen Poloverband FIP in Kalifornien. La Martina wurde vor sechs Jahren zum exklusiven Ausstatter der FIP erwählt. Auf wichtigen Polo-Events statten seither die Argentinier aus. „Wir verkaufen die Shirts auch über unsere Web-Site, die gehen weg wie warme Semmeln“, sagt Santa Maria.

Äußerst geschickt verstand es Simonetti, das exklusive Image als Polo-Ausrüster mit dem Geschäft der Freizeitmode für jedermann zu verbinden: Die Team-Hemden, -Jacken oder -Kappen, die La Martina etwa für Weltmeisterschaften entwirft, werden als Repliken nachproduziert. In dieser Strategie liegt allerdings auch eine Ursache für die gepfefferten Preise: Auf viele Modelle sind hohe Lizenzgebühren zu zahlen. Die Polohemden kosten in Europa zwischen 110 und 160 Euro. Inzwischen kopieren große Textilhändler wie Peek & Cloppenburg mit ihren Hausmarken das Design von La Martina ebenso wie Top-Modemarken.

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