Pharmahändler
Celesio verliert langjährigen Vorstandschef

Der Pharmahändler Celesio steht überraschend ohne Chef da. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Fritz Oesterle geht Ende Juni von Bord. Es soll Meinungsverschiedenheiten mit dem Mutterkonzern Haniel gegeben haben.
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FrankfurtDer Pharmahändler Celesio verliert seinen langjährigen Vorstandschef Fritz Oesterle. Der Manager scheide zum 30. Juni „im besten Einvernehmen“ mit dem Aufsichtsrat nach mehr als zwölf Jahren aus der Gesellschaft aus, erklärte das Unternehmen am Mittwoch überraschend. Der Aufsichtsrat habe der vorzeitigen Beendigung des Vertrags zugestimmt. Eine nähere Begründung wurde nicht gegeben. Mit der Situation vertrauten Kreisen zufolge ist der Schritt eine Folge des schon seit längerem schwelenden Zwists zwischen Celesio und seiner Muttergesellschaft Haniel über die Pläne für das Stuttgarter Traditionsunternehmen. Zuletzt hatte der Duisburger Mischkonzern Kreisen zufolge Möglichkeiten eines Verkaufs von Celesio sondiert.

Haniel hält knapp 55 Prozent an Europas größtem Pharmahändler, der an der Börse gut drei Milliarden Euro wert ist. Dort nahm nun auch die Übernahmefantasie wieder zu und die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie gewann rund zwei Prozent.

Schon bei der Akquisition des brasilianischen Pharmahändlers Panpharma vor rund zwei Jahren waren Risse zwischen der Muttergesellschaft Haniel und der Celesio-Führung deutlich geworden. Die Unstimmigkeiten über den ersten Schritt des Unternehmens nach Lateinamerika konnten dann aber ausgeräumt werden. Mit der Übernahme von Panpharma war Celesio mit einem Schlag zum führenden Großhändler in Brasilien aufgestiegen. Nach dem Zukauf war es nach außen hin weitgehend ruhig geblieben im Verhältnis von Haniel und Celesio.

Vor wenigen Wochen hatte Reuters allerdings erfahren, dass Haniel trotz anderslautender Beteuerungen einen Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung Celesio auslotet. Interesse an einem Aktienpaket hatte zwei mit den Gesprächen vertrauten Personen zufolge der zweitgrößte chinesische Pharmakonzern Shanghai Pharmaceutical. Für Oesterle sei dann irgendwann das Fass übergelaufen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Haniel hat das Unternehmen wie sauer Bier angeboten.“

Die Pläne des Mutterkonzerns waren in der jüngsten Vergangenheit nur schwer nachzuvollziehen. Im April 2010 hatte Haniel-Chef Jürgen Kluge angekündigt, in aussichtsreiche Geschäftsfelder und Regionen investieren zu wollen und das Portfolio zu überprüfen. Dann aber erklärte Haniel im Dezember, es gebe aktuell keine Pläne, Haniels Beteiligungen an Celesio oder am Handelsriesen Metro zu verringern. Zuletzt hatte Haniel-Finanzchef Stefan Meister in einem Zeitungsinterview sogar gesagt, dass sich der mit Milliarden-Schulden kämpfende Mischkonzern Zeit lassen werde mit dem Umbau.

Wer nun Oesterle auf dem Chefposten bei Celesio nachfolgen soll, blieb zunächst unklar. Das Unternehmen äußerte sich dazu in der Mitteilung nicht. Zu Oesterle hieß es darin lediglich, er habe maßgebend zum Ausbau und zur Internationalisierung des Unternehmens beigetragen. Zudem sei Oesterle mit dem Ausbau von Service- und Logistikleistungen für die Pharmaindustrie in Geschäftsfelder vorgedrungen, die deutlich weniger staatlich reguliert sind als der klassische Pharmagroßhandel.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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