Pharmaindustrie
Deutsche Konzerne gegen den Trend

Im Gegensatz zur globalen Entwicklung im Pharmasektor, wo die Forschungsbudgets unter Druck geraten sind, haben die deutschen Pharmahersteller in den letzten Jahren ihre Arzneimittelforschung ausgebaut oder auf hohem Niveau fortgeführt. Unternehmen wie Bayer, Boehringer und Merck gegen damit gegen den Trend.
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FRANKFURT. Die deutschen Pharmahersteller wie Bayer, Boehringer und Merck haben in den letzten Jahren ihre Arzneimittelforschung ausgebaut oder auf hohem Niveau fortgeführt. Sie bewegen sich damit im Gegensatz zur globalen Entwicklung im Pharmasektor, wo die Forschungsbudgets unter Druck geraten sind. So haben Großkonzerne wie Pfizer, Roche oder Glaxo Smithkline damit begonnen, auch in der Forschung den Rotstift anzusetzen, um Ertragsreserven zu erschließen.

Insgesamt sind nach zahlreichen Flops in der Produktentwicklung in der Branche Zweifel aufgekommen, ob die bisherigen umfangreichen Forschungsausgaben überhaupt eine vernünftige Rendite abwerfen können. So kam die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie zum Ergebnis, dass die Pharmaforschung im Branchenschnitt die Kosten des eingesetzten Kapitals nicht deckt.

Jedoch befinden sich die drei führenden deutschen Pharmahersteller in einer Sonderposition. Anders als noch vor einigen Jahren bearbeiten sie derzeit vergleichsweise viele Projekte in der Endphase der klinischen Entwicklung. In dieser Phase sind besonders umfangreiche und aufwendige Studien nötig. Sowohl Bayer als auch Boehringer haben zum Beispiel sehr große Studien mit neuartigen Medikamenten gegen Thrombosen und Schlaganfälle durchgeführt. Beide Produkte entpuppten sich bisher als Erfolg und versprechen hohe Umsätze. Dagegen ist die Darmstädter Merck-Gruppe mit einem neuen Mittel gegen Multiple Sklerose vorerst gescheitert.

Der neue Bayer-Chef Marijn Dekkers, der Anfang Oktober die Führung des Leverkusener Konzerns übernommen hat, bekräftigte gestern die Strategie, künftig noch stärker auf Innovationen zu setzen. Schwerpunkte sieht er im Gesundheitsbereich und in der Pflanzenbiotechnologie. Wann diese Strategie zu weiter steigenden Ausgaben in der Forschung führt, ließ Dekkers offen. Eine Herausforderung bestehe nun auch darin, die erfolgreichen Neuentwicklungen zum Kunden zu bringen. Zur Innovationsstrategie gehöre es daher auch, die Vermarktung der Innovationen zu verbessern. Insbesondere für das Thrombosemittel Xarelto, von dem sich Bayer Jahresumsätze von mehr als zwei Milliarden Euro verspricht, sind zunächst hohe Vorleistungen im Marketing nötig.

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