Philipp Daniel Merckle
Wider das Herrenbewusstsein

Ratiopharm-Chef Philipp Daniel Merckle macht sich derzeit auf seiner „World in Balance“-Tour zu Schiff für eine bessere Welt stark. Gemeinsam mit dem Polarforscher Arved Fuchs versucht er die Menschen für Klimawandel und Umweltzerstörung zu sensibilisieren. Auch im eigenen Unternehmen hat er alle Hände voll zu tun.

KÖLN. Besser hätten die Organisatoren den Ort kaum auswählen können – auf dem Schiff „Rheinenergie“ hat bereits Papst Benedikt XVI. seine Botschaft unters Volk gebracht: Das war beim Weltjugendtag in Köln, Zehntausende säumten jubelnd den Rhein. Nun also Philipp Daniel Merckle, Chef des Pharma-Unternehmens Ratiopharm, evangelischen Glaubens seines Zeichens – sie sind halt tolerant, die Rheinländer.

„Wir können nicht alles der Politik überlassen. Ich möchte als Unternehmer Zeichen der Verantwortung setzen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir Zukunft gestalten können. Und dazu möchte ich sie ermuntern.“ Mit solchen Sätzen, denen nur schwer zu widersprechen ist, will der Abkömmling der schwäbischen Unternehmerdynastie Merckle in der vierten Generation die Menschen an diesem Abend für sich gewinnen. Es ist der Auftakt zur „Aufbruch-Tour“, mit der Merckle für seine Stiftung „World in Balance“ bundesweit Unterstützung sucht.

In sieben Städten macht er in diesen Tagen Station. Immer auf einem Schiff. Gemeinsam mit dem Polarforscher Arved Fuchs, der die Gäste für Klimawandel und Umweltzerstörung zu sensibilisieren sucht. Am Dienstagabend ist auch Gesine Schwan mit an Bord, die einstige SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten. „Naiv“, sagt sie, könne man „Dr. Merckle“ ruhig nennen, im wohlmeinenden Sinn – und sie bemüht das Bibelwort: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht das Himmelreich sehen.“ Soll heißen: ohne Träume keine Veränderung zum Guten. Die Pharmabranche sieht das skeptischer. Dort erscheint Merckle so manchem als Traumtänzer.

Tatsächlich holte ihn die Realität im Sommer 2005 mit Wucht auf den Boden der Tatsachen zurück. Der damals 39-jährige Eigentümer hatte soeben die Gesamtverantwortung für Ratiopharm übernommen, da erschütterte ein Skandal das Unternehmen. Es war die „Situation einer Schande“, in der er sich mit eigenen Worten wiederfand. Soeben hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts aufgenommen, der Generika-Hersteller habe Ärzte mit Zuwendungen und Umsatzbeteiligung veranlasst, Ratiopharm-Medikamente zu verordnen. Merckle ging in die Offensive. Geschäftsführung und Vertriebschefin mussten weichen, der Merckle-Junior nahm selbst auf dem Chefsessel Platz.

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