Philipp Welte
Bambis erster Diener

Der Burda-Vorstand modernisiert den wichtigsten deutschen Medienpreis. Das goldene Rehkitz wird zum multimedialen Werbeevent ausgebaut. Die Verantwortung für die Veränderung trägt Verlagsvorstand Philipp Welte.
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DÜSSELDORF. Wenn heute Abend in Babelsberg, der legendären Filmstadt vor den Toren Berlins, der Bambi vom Medienkonzern Burda verliehen wird, steht er wieder am Ende des roten Teppichs: Philipp Welte, Verlagsvorstand und enger Vertrauter von Verleger Hubert Burda. Mit ihm zusammen wird er in eineinhalb Stunden 840 Hände schütteln und die Gäste aus Wirtschaft, Kultur und Politik begrüßen.

Doch diese körperliche Herausforderung ist noch die leichteste Aufgabe für den Manager. Die Veranstaltung ist Burdas Aushängeschild - und Welte trägt die volle Verantwortung. Die zweieinhalbstündige Gala um das goldene Rehkitz, die der MDR heute Abend live im Ersten überträgt, ist eine mediale Supershow, für deren Realisierung über 1 000 Menschen arbeiten. Und dabei darf nichts schiefgehen, dieses Jahr noch weniger als sonst.

Denn das Bambi, so golden es in den Händen der Gewinner glänzt, ist etwas angestaubt. Im vergangenen Jahr wirkte die Show, die von der früheren Eisläuferin Kathi Witt moderiert wurde, langweilig. Das muss Welte beim 62. Bambi in diesem Jahr verhindern. Die Gala soll lebendiger, schneller und moderner werden. "Bambi hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verändert und wird sich auch weiter verändern", kündigt Welte an, der lieber hinter als auf der Bühne steht. Statt konventioneller Moderatoren werden Laudatoren und Preisträger stärker in den Vordergrund rücken, darunter Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Hollywoodschauspieler Orlando Bloom und Altrocker Udo Lindenberg.

Welte und Bambi - das ist ein unzertrennliches Paar. Seit zehn Jahren - mit Ausnahme zweier Jahre im Dienste von Axel Springer - betreut der heute 48-jährige gelernte Fernsehjournalist den Medienpreis. Der Politologe aus dem schwäbischen Hechingen schaffte es als Geschäftsführer der Burda People Group ab 2002, den Umsatz der Gruppe, zu der Zeitschriften wie "Bunte" und "InStyle" gehören, mehr als zu verdoppeln.

Der Bambi hat nicht nur für das eigene Haus eine enorme Bedeutung: "Es ist eine mit nichts vergleichbare Plattform für die Inszenierung unserer Marken und der Kraft unseres Verlages", sagt Welte. Damit sich der Preis rechnet, denn er ist nach wie vor "streng betriebswirtschaftlich gesehen nicht profitabel", so Welte, baut Welte ihn zur multimedialen Werbeveranstaltung aus - und ist dabei auf gutem Weg.

Als neue Sponsoren sind dieses Jahr der Rasierklingenhersteller Wilkinson und die Hamburgerkette McDonald's mit dabei. Die Konsumgüterartikelhersteller lockt die enorme Reichweite. Diese hat sich von 250 Millionen Kontakten von vor zehn Jahren auf 3,5 Milliarden erhöht - und soll weiter steigen. Die Veranstaltung etabliert sich zudem als Treffpunkt - auch für Unternehmer. "Die Bambi-Verleihung zählt für mich zu den großen Events des Jahres", sagt Hugo-Boss-Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs.

Der Verleger Hubert Burda selbst, dessen Eltern den Bambi einst schufen, will sich stärker zurückziehen. "Ich interpretiere das preußisch und sehe mich als erster Diener des Bambi", sagt Verlagsmanager Welte, der privat am Ostufer des Starnberger Sees zu Hause ist. Das letzte Wort hat noch immer der Verleger.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

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