Piëch-Nachfolge
VW-Großaktionär votiert für Pierer

Die einflussreiche Fondsgesellschaft und VW-Großaktionär Tweedy Browne hat sich für Heinrich von Pierer als neuen VW-Aufsichtsratschef ausgesprochen. „Von Pierer wäre großartig für diese Position“, sagte Thomas Shrager von Tweedy Browne dem Handelsblatt. Der ehemalige Siemens-Chef, der bereits im Aufsichtsrat von VW sitzt, kommentierte dies nicht.

FRANKFURT/STUTTGART. Die Vertreter der beiden größten VW-Aktionäre, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, hatten sich Freitag darauf geeinigt, dass ein „neutraler“ Manager zum künftigen Aufsichtsratschef berufen werden soll. Porsche und das Land Niedersachsen hatten Ende der Woche ihren Streit beigelegt. Wiedeking zieht danach mit sofortiger Wirkung für David Simon of Highbury in das Kontrollgremium ein. Der Porsche-Chef wird auch dem Präsidium des Aufsichtsrats angehören, das von vier auf sechs Personen erweitert werden soll. Im Gegenzug räumt VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch 2007 seinen Posten. Damit wird ein monatelanger Machtkampf zwischen den Großaktionären beendet, der das Unternehmen zu lähmen drohte.

Neben Wiedeking soll laut Unternehmenskreisen Porsche-Finanzchef Holger Härter im Mai in den Aufsichtsrat gewählt werden. Wulff bestätigte zudem gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass er Stahlunternehmer Jürgen Großmann in das Gremium holt – weil der Arbeitsplätze, auch bei Zulieferern, in Deutschland halten wolle. Im Gegenzug verlässt neben Ex-Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme auch Klaus Liesen das Gremium. Der frühere VW-Aufsichtsratschef Liesen wird Ehrenvorsitzender.

Von Pierer und Großmann werden nun als Favoriten für den VW-Aufsichtsratsvorsitz gehandelt. Es gebe aber noch keine Vorentscheidung, hieß es. Es sei auch möglich, dass noch ein Kandidat von außen auf diese einflussreiche Position berufen werde. Offen bleibt, ob Piëch völlig aus dem Aufsichtsrat abtritt. Wulff äußerte ebenso wie Vertreter von Tweedy Browne diese Erwartung. Piëch selbst war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Das Ende des Streits im VW-Aufsichtsrat macht zugleich den Weg für eine Vertragsverlängerung von VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder frei. Laut Unternehmenskreisen haben sich die Großaktionäre auf eine zweite Amtszeit bis 2012 geeinigt.

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