Pierre-Henri Gourgeon
Air-France-Chef wird Opfer des Machtkampfs

Der Machtkampf bei Air France-KLM ist entschieden: Verloren hat ihn der Chef der Fluggesellschaft, Pierre-Henri Gourgeon. Heute Nachmittag soll er entlassen werden. Dahinter verbirgt sich ein menschliches Drama.
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ParisAir France-KLM-Chef Pierre-Henri Gourgeon verliert heute offenbar seinen Job. Laut Vertrag sollte er eigentlich noch bis 2015 den Flugkonzern leiten, nun soll er "das Unternehmen innerhalb kurzer Zeit verlassen", wie zwei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg berichteten. Das Amt soll nun übergangsweise von Verwaltungsratspräsident Jean-Cyril Spinetta übernommen werden.

Die Entscheidung für den bevorstehenden Schnitt wurde am Freitagnachmittag bei einer Sitzung des Nominierungsausschusses verkündet, wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichten. Sie fiel offenbar mit dem Einverständnis des Hauptaktionärs Frankreich und soll heute vom Verwaltungsrat in einer außerordentlichen Sitzung bestätigt werden, die um 16 Uhr beginnt. 

Der Kurs der Aktie stieg im Vergleich zum Freitag um mehr als fünf Prozent.

Es ist der Höhepunkt des Machtkampfs zwischen Gourgeon und seinem Ende 2008 abgetretenem Vorgänger Jean-Cyril Spinetta, der derzeit das Kontrollgremium der Fluggesellschaft leitet. Die Männer hatten sich unter anderem über Personalien gestritten. So hatte Spinetta sich lange Gourgeons Wunschkandidaten für die Leitung der wichtigsten Unternehmenstochter Air France, Alexandre de Juniac, widersetzt. Er hatte Lionel Guérin bevorzugt, den Chef des Air-France-Billigfliegers Transavia France.

Hinter dem Machtkampf der Männer, der nun in dem Rauswurf Gourgeons gipfelt, verbirgt sich ein menschliches Drama: Spinetta selbst war es, der seinem Vertrauten Gourgeon 2009 an die Unternehmensspitze verhalf. Die beiden Männer kennen sich seit 25 Jahren und haben die meiste Zeit eng zusammen gearbeitet.

Spinettea soll jetzt übergangsweise an die Unternehmensspitze zurückkehren. Damit wäre er Chef und Verwaltungsratspräsident in Personalunion. Aktionäre fordern von ihm strukturelle Reformen, um die im Vergleich zur Konkurrenz zu hohen Kosten zu reduzieren, die sich auch in den vermutlich schwachen Zahlen für das dritte Quartal niederschlagen werden. Air France-KLM ist an der Börse nur noch 1,74 Milliarden Euro wert.

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Air-France-Chef wird Opfer des Machtkampfs

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Alexandre de Juniac soll weiterhin Kronprinz werden

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  • Eine typische Farce der Inzuchtkultur in der französischen Staatsindustrie. Wie Spinetta ist auch de Juniac ein typisches Produkt der Ministerialbürokratie, wie man es überall auf den wichtigsten Posten der französischen Wirtschaft findet. Diese Leute haben ein gottähnliches Ego, das darauf beruht, dass sie Spickzettel ("synthèses") für ihre in der Regel ahnungslosen Minister verfasst haben. Sarkozy wollte diesen Mann, der wie viele Spitzenbeamte den relativ sicheren Regierungswechsel des nächsten Jahres fürchtet, zunächst als Nachfolger von Anne Lauvergeon beim Atomkonzern Areva unterbringen. Das scheitere aber am Widerstand des Aufsichtsrats, dem die summarische Entlassung der Chefin nicht gefiel. Nun wird er, der natürlich weder von der Atomwirtschaft noch von der Luftfahrt das geringste versteht, als Boss von Air France durchgepaukt.

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