Pimco-Chef El-Erian
Früher Mahner

Mohamed El-Erian ist Chef der Vermögensverwaltung Pimco. Der 51-jährige war ein früher Mahner der kommenden Krise und sein Unternehmen hat sie besser bewältigt als die meisten anderen Finanzkonzerne. Auch jetzt, wo die Rendite-Party wieder loszugehen scheint, bleibt er bei seiner defensiven Strategie. Denn die Krise sieht er längst noch nicht beendet.

MÜNCHEN. Vielleicht kann Mohamed El-Erian die Märkte besser einschätzen als sich selbst. Der 51-jährige Chef der Vermögensverwaltung Pimco soll erklären, wie es zur Finanzkrise gekommen ist und vor allem, wie es nun weitergeht. Das, sagt der Amerikaner mit ägyptischen Pass, wolle er lieber im Stehen machen - der Bewegungsfreiheit wegen. "Ich bin eine nervöse Person." Seine Thesen trägt er dann aber in aller Ruhe, mit langsamer Stimme und spärlichen Gesten vor.

Mit dieser Zurückhaltung und Gelassenheit ist die Allianz-Tochter Pimco, die 570 Mrd. Euro verwaltet, so gut durch die Krise gekommen wie nur wenige andere Konzerne der Finanzindustrie.

Dieser freundliche Herr im blauen Anzug, mit dunklem Teint und breitem Schnurrbart war schon vor der Finanzkrise einer der frühen Mahner. "Am Anfang haben wir uns sehr einsam gefühlt", sagt El-Erian bei der Vorstellung seines neuen Buches in der Zentrale der Allianz Global Investors. Es habe viele Warnsignale gegeben, die meisten hätten das aber nur als Störgeräusche empfunden. Inzwischen würden immer mehr Marktteilnehmer erkennen: "Wir durchleben eine Krise des globalen Systems." Eine Rückkehr zum "Business as usual" werde es nicht geben.

Bei der Allianz betrachten sie die Übernahme des Anleihe-Spezialisten zur Jahrtausendwende als Glücksfall. Mit der defensiven Ausrichtung verpasste Pimco im Boom zwar manche Rendite-Chance. Doch dafür waren die Risiken beherrschbar. Auch jetzt, wo die Rendite-Party für viele schon wieder los zu gehen scheint, sieht El-Erian sieht keinen Grund, von der Defensiv-Strategie abzurücken: "Die Krise verändert ihr Gesicht - sie ist nicht weg", sagt er. Die Finanzbrache sei zwar mithilfe der Milliardeninjektionen stabilisiert worden. Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft und die Gesellschaft würden aber erst erkennbar, wenn der massive Anstieg der Arbeitslosigkeit seinen Höhepunkt erreicht habe. Pimco sei daher weiter auf der Hut. "Wir sind geduldig und defensiv."

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