Pioniere der Wirtschaft
Erivan Haub: „Ich wollte immer Chef werden“

Wie Erivan Haub 7300 Läden und 184 000 Mitarbeiter führt, mit der Übernahme von Kaiser’s Kaffee die Branche überrascht und als Tengelmann-Boss doch fast unbekannt ist. Die Geschichte des geheimnisvollsten Krämers des Landes.

MÜLHEIM. Es ist gerade 5 Uhr in der Früh, als Erivan Haub seinen Lastwagen belädt. Die ersten schwachen Sonnenstrahlen des Tages kämpfen über Los Angeles noch mit dem Nebel. Joghurt, Milch, Cornflakes – die Millionenstadt will versorgt sein, und Haub ist es, der den Amerikanern ihr Frühstück bringt. Ungezählte Lebensmittelgeschäfte stehen auf seinem Dienstplan. Er muss sich beeilen, sonst ist die Route nicht zu schaffen.

Er steuert den 40-Tonner vor einen Laden in Santa Monica. Springt aus dem Führerhäuschen, öffnet die Ladeluke, lädt die Kisten aus, stellt sie auf den Gehsteig. Mit den Lieferpapieren in der Hand eilt er zum Filialleiter. Der aber will nicht unterschreiben, verlangt, dass Haub die Ware auch noch in den Laden trägt. Und in die Regale räumt. „Da ist mir der Kragen geplatzt. Das hatte der die Tage vorher auch schon immer gefordert, obwohl es ausdrücklich nicht mein Job war.“ An diesem Morgen dreht sich Haub wortlos um, startet den Motor und fährt „die Ware über den Haufen“.

Noch am Nachmittag wird er vom Chef zum Rapport bestellt, hat er doch Lebensmittel für fast 500 Dollar zerstört. Der Boss hört sich die Geschichte in aller Ruhe an – „und befördert mich. Zack. Einfach so“.

Wer Erivan Haub, 73, heute fragt, was ihn in seinem Berufsleben besonders bewegt und geprägt hat, dem erzählt er ausführlich von seinen Lehrjahren in Amerika. Von den 100 Dollar, die ihm seine Eltern Anfang der 50er-Jahre als Starthilfe zusteckten, von dem Job als Lastwagenfahrer in Kalifornien und von der Arbeit im Keller eines Supermarkts in Chicago.

Als er zwei Jahre später nach Deutschland zurückkehrt, hat er den Kopf voller Erfahrungen und Pläne. Es beginnt sein Aufstieg zu einem der größten, reichsten (geschätztes Vermögen vier Milliarden Euro), aber auch geheimnisvollsten Krämer des Landes. Heute steuert Haub mit seinen Söhnen die Tengelmann-Gruppe, das sind 7300 Filialen in 14 Ländern mit einem Umsatz von fast 27 Milliarden Euro und 184 000 Mitarbeitern. Jeder Deutsche kennt ein Geschäft aus dem Haub-Reich. Ob es nun Tengelmann, Kaiser’s oder A&P heißt, Plus, Obi oder Kik. Täglich kaufen vier Millionen Menschen bei ihm ein. Dieses Imperium ist sein Werk.

Erivan Haub ist darüber ein vermögender Mann geworden. Als ihn die Forbes-Herausgeber in den 80er-Jahren erstmals unter die reichsten Deutschen einreihen, empfindet er das als eine Art von Anprangern. Die Veröffentlichung passt nicht zu seiner Art zu leben, und sie passt auch nicht zu seinem Geschäft. „Schrecklich, ganz schrecklich“, sagt er noch heute über diese Liste. „Das hat den Menschen das Gefühl gegeben, die Händler verdienen zu viel.“

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