Pioniere der Wirtschaft
Roland Berger: „Ich wollte nie Angst haben müssen“

In der deutschen Wirtschaft kann es sich kaum einer leisten, Roland Berger nicht zu kennen. Es ist auch schwer, ihm nicht schon irgendwo begegnet zu sein. Denn Unruhe ist sein Programm, er ist ständig unterwegs. Berger selbst rechnet sein Jahresprogramm vor: „Zehnmal fliege ich nach Nordamerika, zweimal nach Südamerika und mindestens je dreimal nach China und Japan.“ Die Verbindungen innerhalb Europas zählt er schon nicht mehr.

HB MÜNCHEN. Was treibt diesen Mann? Immerhin ist Roland Berger schon 68 und könnte sich ein gemächliches Leben leisten. „Nein, nein“, sagt er, „ich war immer ein aktiver Mensch, und ich bin neugierig und in diesem Sinn auch ein Intellektueller. Daher kann ich mir einfach nicht vorstellen, an dem spannenden Wandel, den wir heute erleben, nicht teilzuhaben.“

Als Berater kennt er viele Unternehmen bis in die geheimsten Herzkammern. Kaum einer kann so exakt Auskunft geben über Chancen und Risiken der Globalisierung und den Standort Deutschland.

Berater aber sind auch Reizfiguren. Manager ärgern sich, wenn die Männer in den dunklen Anzügen Schwächen bloßlegen, Mitarbeiter fürchten Entlassungen, wenn die Besserwisser durch die Büros stöbern.

Vielleicht hat Berger seinen Schwerpunkt deshalb von Anfang an auf Strategieberatung gelegt. An der Notwendigkeit, über den Tag hinaus zu denken, hat sich bis heute für ihn nichts geändert. Da sieht er einen immer noch wachsenden Bedarf.

Mit Strategieberatung hat Roland Berger aus seinem Namen weltweit eine Marke gemacht, wer ihn von ganz nah erlebt und seinem fast schüchternen Blick widersteht, der glaubt ihm sein Understatement: dass er sich selbst bis heute in mancher Stunde wundert, wohin er es so gebracht hat, der scheinbar so Unscheinbare. Es braucht eine Zeit, um zu erkennen, dass dies vielleicht sein Erfolgsgeheimnis ist. „Abstand und Integrität, beides ist für einen Berater zentral.“

1968 richtet er in München ein kleines Büro ein. Er wird Unternehmer, als die junge Generation den Leistungswillen der Nachkriegszeit zu verachten beginnt. Die neue Elite wird lieber Lehrer als Manager. Roland Berger geht einen anderen Weg. Bei ihm siegt Unternehmerblut über den Zeitgeist. „Ich habe zwar mit einigen Ideen der 68er sympathisiert, aber im Grundsatz habe ich mich mit ihnen nie identifiziert.“ So ist der Weg frei für den Aufstieg zu einem der führenden Pioniere der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft. Heute berät Roland Berger Strategy Consultants Unternehmen in 25 Ländern, unterhält 35 Büros. In Europa ist er die Nummer eins, in der Welt die Nummer fünf. Und das in einer Branche, die traditionell von den Amerikanern dominiert wird.

Besuch in seinem Büro in der Arabellastraße, dort, wo München Hochhausarchitektur gewagt hat. Ein kühler Raum, nicht zu groß, an den Wänden hängen Werke der Amerikanerin Joan Mitchell und des Italieners Enzo Cucchi, bunt, aber nicht deftig. Der Schreibtisch ist blank, das Telefon bleibt so unsichtbar wie der PC. Auf seinem Tisch steht einfach nichts, sieht man von den streng in Reihe geparkten Modellautos ab. Dafür hat es der Aktenkoffer in sich, im Deckel steckt eine Sammlung von Namensschildern, mal „Roland Berger“ pur, mal „Prof. Roland Berger“, mal „Prof. Dr. h.c. Roland Berger“ und „Prof. Dr. h.c. mult Roland Berger“. Soll einer sagen, dieser Mann wüsste nicht, was sein Name wert ist.

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