Pipelinebauer ILF
Wasser für Riad und Öl für die Welt

Wasser und Öl werden weltweit knapp, der Transport der knappen Güter ist längst ein politisches Geschäft geworden. Das merkt auch Adolf Feizlmayr. Seit 40 Jahren plant und überwacht der 71-Jährige mit seinem Ingenieurbüro ILF den Bau von Pipelines - manchmal ein riskanter Job.

MÜNCHEN. Der syrische Vermittler wartet im Münchener Hotel Bayrischer Hof ungeduldig auf die jungen Ingenieure. Seine saudischen Auftraggeber sind verzweifelt: Sie haben viel Öl und noch mehr Geld, aber kaum Trinkwasser für ihre Hauptstadt. Skurrile Ideen liegen bereits auf dem Tisch: Eisberge sollen in den Persischen Golf geschleppt werden, Wasser mit Tankwagen über Berge und Wüsten geschafft werden. Adolf Feizlmayr und sein Partner Pius Lässer ahnen: Hier ist die Chance ihres Lebens.

Sie haben einen eigenen Vorschlag: Eine große Pipeline soll entsalzenes Meerwasser von der Küste über die Berge nach Riad pumpen. „Viele Experten haben den Kopf geschüttelt“, erinnert sich Feizlmayr heute. Der nötige Druck in der Röhre sei zu hoch, das Terrain zu steil, prophezeien Konkurrenten. „Aber die Saudis haben uns vertraut“, sagt der gebürtige Österreicher über seinen ersten großen Auftrag. Ein Vertrauen, das sich auch nach Jahrzehnten auszahlt. Heute, über 30 Jahre später, erhält das „Ingenieurbüro Feizlmayr-Lässer“ (ILF) den Auftrag, eine zweite, noch größere Wasserpipeline durch die Wüste zu legen. Aus dem kleinen Ingenieurbüro ILF ist inzwischen ein Weltunternehmen geworden. 1 600 Ingenieure, Geologen und Betriebswirte arbeiten für das deutsch-österreichische Gemeinschaftsunternehmen, das noch immer als GmbH firmiert. Sie planen, vergeben die Aufträge und überwachen den Bau der Pipelines. Zwei Firmensitze teilen sich die Gründer. Lässer sitzt in Innsbruck, Feizlmayr in der neuen Firmenzentrale im Münchener Osten. Wo immer auf der Welt Öl-, Gas- oder Wasserpipelines gebaut werden, ist die ILF zumindest mit im Spiel. „Feizlmayr kennt jeden im Geschäft“, heißt es in der Branche.

Beim Pipelinebau gehe es um Macht, Geld und um viel Know-how, sagt der Bauernsohn aus Linz. Nach dem Krieg haben vor allem die Amerikaner den Weltmarkt beherrscht. Große Anlagenbauer wie Bechtle bekamen die Aufträge von noch größeren Ölkonzernen wie Exxon Mobile oder Aramco. Auch Feizlmayr und Lässer lernen sich über Bechtle kennen, als sie Ende der sechziger Jahre die Ölpipeline von Triest nach Ingolstadt bauen. „Die Amerikaner haben damals viel mehr verdient als wir“, erinnert sich Feizlmayr. „Aber irgendwann haben wir gesagt: Das können wir auch.“

Der Pipelinebau hat eigene Gesetze. Öl fließt anders als Wasser, Gas lässt sich nur hochkomprimiert transportieren. Druck baut sich blitzartig auf, verteilt sich über Hunderte Kilometer Länge auf eine Röhre aus Millionen Tonnen Stahl. Ständig geht es an die Grenzen der Physik und der Ökonomie. Wer nicht rechtzeitig mit dem Bau fertig wird, zahlt schon mal 100 000 Dollar Strafe am Tag. „Wir haben am Anfang mit allem gehaftet, was wir hatten“, sagt der heutige Aufsichtsratschef Feizlmayr.

Selten führen die Trassen gerade durch die Landschaft. Feizlmayers Meisterstück ist 2006 der Bau der südkaukasischen BTC-Pipeline, der längsten Ölleitung der Welt. Es geht über 2 800 Meter hohe Berge und die nordanatolische Erdbebenspalte. Bis zu sieben Meter können sich die Erdplatten bei Erdstößen verschieben, vier Meter muss die Pipeline aushalten. „Das Rohr darf sich deformieren, aber es darf nicht brechen“, beschreibt Feizlmayr die Herausforderung. Das ist Stoff für großes Kino: Noch vor der Fertigstellung lieferte die Pipeline die Vorlage für den James-Bond-Film „Die Welt ist nicht genug“.

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