Pischetsrieder kämpft um Posten
„Ich führe Volkswagen zum Erfolg“

Wenn Volkswagen in dieser Woche seine Jahresbilanz vorlegt, stehen nicht wie sonst Gewinne und Ausblicke im Mittelpunkt, sondern das Ringen von Konzernchef Bernd Pischetsrieder um seine Zukunft. Er ist nach einer Attacke von Aufsichtsratschef und Vorgänger Ferdinand Piëch angeschlagen. Doch nun konterte der 58-Jährige mit einer Kampfansage.

BERLIN. “Ich will das, was ich vor Jahren begonnen habe, zu einem nachhaltigen Erfolg führen“, sagte Pischetsrieder im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ (WamS). „Der Vorstand wird dafür bezahlt, das Unternehmen so aufzustellen, dass es langfristig erfolgreich ist. Mit diesem Verständnis habe ich Volkswagen bisher geführt und werde es auch weiter tun“, sagte Pischetsrieder weiter. Es gebe bei VW einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. „Unsere Marken arbeiten heute nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander“, so Pischetsrieder.

Er verteidigte in dem Interview zudem Pläne, die Mitarbeiterzahl bei VW zu reduzieren. Gleichzeitig schloss er bis zum Jahr 2011 betriebsbedingte Kündigungen aus. Diese Botschaft werden vor allem die Arbeitnehmervertreter gerne hören, die laut Piëch zur Zeit gegen Pischetsrieder in dessen Kampf um eine Vertragsverlängerung stehen. Pischetsrieder hatte sie mit der Ankündigung verärgert, dass bei einer Sanierung der Marke Volkswagen 20 000 Jobs betroffen sein könnten.

VW läuft Gefahr, dass der Machtkampf im obersten Stockwerk des Verwaltungshochhauses am Mittellandkanal dem Konzern die Kraft zum Marsch in eine erfolgreiche Zukunft raubt. Denn es gibt genug wichtige Themen, zu denen Pischetsrieder in seiner Rede zur Jahresbilanz Lösungsvorschläge machen könnte: Wie sollen die sechs westdeutschen VW-Werke mit ihren 100 000 Mitarbeitern wieder in die Gewinnzone kommen, angesichts von Löhnen 20 Prozent über der Metallbranche? Wie wird VW mit seinen aufwendig und teuer konstruierten Modellen den Angriff der asiatischen Hersteller auf die Mittelklasse parieren? Wie löst der Konzern die Probleme in den wichtigsten Auslandsmärkten USA und China?

Immerhin kann Pischetsrieder am Dienstag noch einmal die Zahlen für 2005 verlesen, die deutlich über dem Vorjahr liegen: Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg vorläufigen zahlen zufolge um 54 Prozent auf 3,14 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um über 7 Prozent auf 95,3 Milliarden Euro. Allerdings sparte VW sich zum Erfolg: Das Kostensenkungsprogramm ForMotion brache 3,5 Milliarden Euro. Ohne die Sparschrauben wäre der Konzern in die roten Zahlen gerutscht, obwohl die Absätze prächtig liefen. Für 2006 versprach Pischetsrieder in einer Mitteilung von Anfang Februar einen höheren Umsatz und ein verbessertes Ergebnis.

Ob diese Versprechen für einen neuen Vertrag reichen, wird sich voraussichtlich in den nächsten neun Wochen entscheiden: Anfang Mai findet die Hauptversammlung statt. Vorher stehen am 28. März Betriebsratswahlen an: Die mächtige IG Metall will ihren Einfluss verteidigen. Da käme ein Kuschelkurs mit dem Management inklusive Vertragsverlängerung für Pischetsrieder nicht gut bei den Werkern an.

Eine vorzeitige Vertragsverlängerung für Pischetsrieder ist ab dem 16. April möglich. Am 20. April ist eine Sondersitzung des Aufsichtsrates geplant. Möglicherweise der letzte Vorhang für den Konzernchef, denn offene Unterstützung hat ihm bisher erst Großaktionär Niedersachsen signalisiert.

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