Politikwerbung - Serie "Siegen wie Obama"
Weblog statt Straßenwahlkampf

Angetrieben von der erfolgreichen Selbstvermarktung des US-Präsidenten Barack Obama versuchen sich auch die deutschen Parteien im Internet – und das mit neuen Methoden. Das Handelsblatt wirft in einer fünfteiligen Serie einen Blick auf die Online-Strategien der Parteien und Politiker. Vierter Teil: Eine junge Generation von Politikern experimentiert erfolgreich in Sachen Online-Wahlkampf.

DÜSSELDORF. Verdammtes Internet. Nichts bleibt geheim – nicht einmal hier auf dem Gaffenberg zu Heilbronn. Ob der historische Brunnen restauriert wird, soll entschieden werden, der Bauausschuss ist angereist. Gemeinderäte machen Fotos, auch SPD-Frau Tanja Sagasser. Wieder daheim berichtet sie vom Besuch in ihrem Weblog „Stadtgeplauder“. Einen Tag danach zitiert daraus die „Heilbronner Stimme“ – mit Berufung auf Sagassers Blog. Nur: Die Begehung war nicht öffentlich – was ihr nicht bewusst war. Ergebnis: Ärger mit Ratskollegen und ein mahnender Anruf vom Bürgermeister.

Die 32-Jährige mit dem fröhlichen Lachen und dem schwäbischen Akzent ist die einzige Rätin der 120 000-Einwohner-Stadt, die im Internet regelmäßig aktiv ist. Bei Facebook hält sie Kontakte, in ihrem Blog schreibt sie über Lokalpolitik und bei Twitter über ihr Leben. Sie steht für den Online-Wahlkampf von unten.

Viel wird berichtet von den Parteien und ihren zaghaften Schritten im Netz. Da gibt es Facebook-Gruppen, eine Youtube-Bundeskanzlerin oder Twitter-Bütikofer. Vergessen wird oft: Wer auf hoher Ebene tätig ist, der hat rechts eine Werbeagentur und links einen Multimediaberater bei der Hand. Doch der Großteil der Wahlkämpfer ist in Sachen Internet auf sich selbst gestellt.

So wie Sagasser. Erst stehen für sie die baden-württembergische Kommunalwahl und die Europawahl an, dann die Bundestagswahl. Bedeutet: viele Nachmittage an Ständen auf öffentlichen Plätzen. Für sie ist das nur ein Teil des Wahlkampfs: „Ich erreiche im Netz Menschen, die niemals an so einen Stand oder zu einer Veranstaltung kommen würden.“ Und: „Strategisch gesehen sind meine Internetaktivitäten ein Alleinstellungsmerkmal.“ Bei anderen Ratsmitgliedern sorgt das für Unverständnis. „Du musst ja Zeit haben“, bekommt sie oft zu hören. „Dabei ist der Aufwand nicht so fürchterlich hoch.“

„Das Wissen in Sachen Internet ist sehr unterschiedlich“, weiß Dietrich Boelter. Seine Multimedia-Agentur A&B Face-2-net berät die SPD: „Es gibt einige Bundestagskandidaten, die wissen Bescheid, wo es langgeht. Andere sind noch in der Welt des Web 1.0 zu Hause. Viele von denen fragen sich aber, ob sie twittern oder bloggen sollen. Daran sieht man, dass sich die Medienkompetenz langsam weiterentwickelt.“

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