Porsche-Chef
Michael Macht und die neue Demut bei Porsche

Porsche-Chef Michael Macht tritt erstmals im Kreise der VW-Familie auf. Er bekommt zu spüren, was es heißt, eine von zehn Marken des Wolfsburger Konzerns zu sein.

FRANKFURT. Porsches Auftritt im Markenreich des Volkswagen-Konzerns beginnt kurz nach sieben Uhr. Zu diesem Zeitpunkt nimmt der neue Porsche-Chef Michael Macht am linken Flügel der weißen VW-Bühne in der Frankfurter Jahrhunderthalle seinen Platz ein. Chefaufseher Wolfgang Porsche wird ihm während des Abends Rückendeckung geben.

Auf der rechten Seite sitzen Volkswagens Chefaufseher Ferdinand Piëch samt Gattin, begleitet von VW-Chef Martin Winterkorn. Trotz Einigung im Familienkreis pflegen die Cousins Porsche und Piëch Abstand. Zwischen den Flügeln bewegt sich Piëchs Bruder Michel.

"Wolfgang Porsche hat es richtig gemacht", sagt Volkswagens Kommunikationschef Stephan Grühsem als Moderator des Abends. "Er hat den kompletten Vorstand der Porsche mitgebracht." Bei Volkswagen soll nach den qualvollen Wochen des Streits mit Großaktionär Porsche wieder Harmonie herrschen. "Wir müssen uns endlich wieder auf das Geschäft konzentrieren", sagt Winterkorn später in kleinem Kreis.

Unterdessen beginnt an diesem verregneten Montagabend der Modellreigen von Audi über Bugatti bis zu Lamborghini in der Jahrhunderthalle. Und Michael Macht muss sich gedulden. Unsicher wirkt der Neue mit der randlosen Brille im Kreis der Markenmanager des Konzerns. Bei seiner Premiere in der VW-Familie knetet er mal die Finger, verschränkt mal die Arme vor der Brust, streicht mit dem Zeigefinger über das Kinn.

Verdutzt wirkt der 49-Jährige, als Volkswagens Nutzfahrzeugchef Stephan Schaller die Vorteile des Multivans mit einem Normverbrauch unter acht Litern preist. Mit solchen praktischen Massenmodellen wie dem Transporter hatten sie in der selbstbewussten Stuttgarter Sportwagenschmiede bislang wenig zu tun.

Michael Macht, der erst vor acht Wochen bei Porsche antrat, muss sich einfügen unter das neue, große VW-Konzerndach. Zwar billigt kein Autokonzern seinen Marken eine solche Eigenständigkeit zu wie VW, aber jeder Markenchef hat sich den Konzerinteressen unterzuordnen. Diesen Spagat erlebt der Porsche-Manager an diesem Abend unmittelbar.

Über die Tücken des Luxussegments dürfen erst einmal andere sprechen: Franz-Josef Paefgen sagt kurz vor halb neun, dass es eigentlich genug Geld gebe, man es aber "im Wesentlichen mit einer Vertrauenskrise zu tun" habe. Der Bentley-Chef erinnert daran, dass die britische Luxusmarke in den 30er-Jahren vom Rivalen Rolls-Royce geschluckt wurde - und der neue Eigner kurz drauf das Bentley-Spitzenmodell einstellte.

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