Porsche
Der gefallene Porsche-Held

Wendelin Wiedeking rettete den Sportwagenbauer Porsche und stieg zu einem der meist gefeierten und bestbezahlten Manager Deutschlands auf. Doch auf den grandiosen Aufstieg folgte dann der tiefe Fall. Am Ende steht Wiedeking nun allein vor den Trümmern eines großen Traumes.

HB STUTTGART. Wendelin Wiedeking galt lange als Retter von Porsche. Als er 1992 das Ruder bei dem Sportwagenbauer übernahm, lag das renommierte Stuttgarter Unternehmen so sehr am Boden, dass sogar eine Übernahme möglich erschien. Mittlerweile steht der Name des gebürtigen Westfalen stellvertretend für die Dauerfehde mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch und die Übernahmeschlacht zwischen den beiden Autobauern Porsche und Volkswagen - und der Manager gilt als heißer Kandidat, das prominenteste Opfer in dem Machtkampf zu werden.

Seit Wochen muss Wiedeking deftige Attacken aus Niedersachsen über sich ergehen lassen. Mal wird der Vorstandschef offen von seinem Intimfeind Piëch angezählt, oft werden aber Gerüchte über sein Aus gezielt aus dem Umfeld von Volkswagen und der niedersächsischen Staatskanzlei gestreut. Der Manager hält zwar seinem Naturell entsprechend eisenhart dagegen und beteuert, sich pudelwohl in seinem Job zu fühlen und natürlich seinen Vertrag bis 2012 zu erfüllen. Nach neusten Spekulationen soll sich Wiedeking aber bereits juristischen Beistand geholt und sein mögliches Abfindungsangebot durchgerechnet haben.

Mehr als 100 Mio. Euro könnten dann für den Manager rausspringen, berichtet am Freitag die "Süddeutsche Zeitung". Dies wäre die höchste Abschiedszahlung, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Mit einem geschätzten Einkommen von 80 Mio. Euro für das vergangene Geschäftsjahr gilt der mit "summa cum laude" promovierte Wiedeking derzeit als bestverdienendste Manager Deutschlands.

Wiedeking hatte als absoluter Machtmensch die Verantwortlichen und Mitarbeiter in Wolfsburg früh spüren lassen, dass nur er das Heft des Handelns in der Hand halten will. Bei VW dürfe es keine "heiligen Kühe" geben, lautete nach dem Einstieg bei Europas größtem Autobauer die erste deutliche Kampfansage in Richtung Niedersachsen - in Wolfsburg ein nicht vergessener Angriff auf die bei VW herrschende Konsens-Kultur, mit einer starken Mitbestimmung, Haustarif und einer traditionell mächtigen IG Metall. In der Folge gingen zehntausende VW-Beschäftigte gegen Wiedeking auf die Straße, das Feindbild aus Stuttgart hatte ein Gesicht.

Bislang konnte Wiedeking auf den Rückhalt der Familie Porsche zählen. Vor allem sein Verhältnis zu Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche gilt als extrem eng und vertrauensvoll. Selbst nach den schärfsten Angriff aus Wolfsburg hielt der Clan-Chef eisern an seinem obersten Angestellten fest und verteidigte ihn auch innerhalb der Familie. In jüngster Zeit hielt sich der Cousin von Ferdinand Piëch jedoch auffallend mit Äußerungen über seinen Vorstandschef zurück. Sollte WoPo, wie der Spitzname des Aufsichtsratschefs lautet, wackeln, wäre das der Anfang vom Ende für Wiedeking.

Bislang war es in der Karriere des Westfalen steil nach oben gegangen. Wiedeking wurde in seiner Karriere von verschiedener Zeitschriften und Institutionen zum "Manager des Jahres" gekürt und ist Träger des "Ordens wider den tierischen Ernst". Bevor er selber Zielscheibe massiver Kritik wurde, äußerte sich der streitbare Porsche-Chef wiederholt kritisch zu politischen Themen, wie zum Beispiel Subventionen, Quartalsberichte oder Fusionen und wurde auch Buchautor.

Der Manager ist Jazz-Fan und sammelt Modellautos. Auf seinem eigenen Grundstück bastelt er und baut mit Hilfe eines alten Porsche-Traktors Kartoffeln an. Er ist verheiratet, hat einen Sohn, der ebenfalls Wendelin heißt, und eine Tochter. Gerade in den schwierigen Zeiten hätten sie ihm Halt gegeben, erzählte der gebürtige Westfale jüngst: "Meine Familie steht voll hinter mir. Das ist ein gutes Gefühl.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%