Porsche Finanzchef Härter
Gut gezockt

Holger Härter ist der Mann, der für Porsche jenseits der schnellen Sportwagen viel Geld verdient. Das werden heute wieder die Gewinnzahlen zeigen. Der kongeniale Partner von Konzernchef Wiedeking hat darüber hinaus maßgeblichen Einfluss auf die Strategie beim VW-Coup.

STUTTGART. Holger Härter fährt zügig mit seinem schwarzen Porsche in die Tiefgarage des Stuttgarter Hotels Le Meridien ein. Es ist zwei Minuten vor zehn. Nur kurz schaut der Mann mit dem Drei-Tage-Bart auf die Uhr. Kein Hauch von Hektik. Wenig später sitzt der Finanzchef oben auf dem Podium bei der Bilanzpressekonferenz des Sportwagenbauers Porsche.

Es ist der 7. Dezember 2005, der erste große öffentliche Auftritt der Porsche-Führung, nachdem der vergleichsweise kleine Sportwagenbauer Porsche die Weltöffentlichkeit mit dem Einstieg bei Europas größtem Autokonzern Volkswagen überrascht hat. Wortreich verteidigt Vorstandschef Wendelin Wiedeking den Coup gegen den Vorwurf des Größenwahns. Finanzchef Härter bleibt im Hintergrund. Wohl jeder andere Finanzchef hätte bei dem knappen Timing vor der heiklen Veranstaltung zumindest einen Funken Nervosität gezeigt – nicht aber der gebürtige Kreuznacher. Augenblicke der Hektik scheinen an dem 51-Jährigen abzuperlen. Er wirkt deshalb manchmal etwas entrückt und distanziert. Aber er analysiert, bewertet und agiert immer erst nach reiflicher Überlegung.

Welche Bedeutung Härter für die gesamte VW-Operation hat, lässt sich zu diesem Zeitpunkt allenfalls erahnen. Zwei Jahre später wird klar, dass jeder Schritt von Anfang an minutiös und von langer Hand geplant war.

Am heutigen Montag tagt der Aufsichtsrat von Porsche – und leitet eine neue Ära ein. Er segnet den Jahresabschluss ab und reicht ihn gleich an das Registergericht weiter: Die Eintragung von Porsche als Aktiengesellschaft nach europäischem Recht kann erfolgen. Von nun an wird Volkswagen nur noch eine Beteiligung unter dem Dach der Porsche-Holding sein. Und keiner wäre überrascht, wenn nach dem kürzlichen Fall des VW-Gesetzes mit der Stimmrechtsbeschränkung auf 20 Prozent auch noch der Aufsichtsrat den Vorstand offiziell ermächtigt, die Beteiligung an VW zu einem ihm genehmen Zeitpunkt auf über 50 Prozent aufzustocken. Dann wäre einer der größten Überraschungscoups in der deutschen Wirtschaft endgültig perfekt.

Wendelin Wiedeking hat den Eigentümerfamilien des Sportwagenbauers Piëch und Porsche den Einstieg bei VW schmackhaft gemacht. Bei VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch musste er nicht allzu viel Überzeugungsarbeit leisten. Auch gelang es, Wolfgang Porsche und damit die Porsche-Familie zu überzeugen, die Milliarden der Familie bei VW anzulegen. Aber dass Wiedekings Plan später mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks aufging, liegt vor allem an seinem kongenialen Finanzchef.

„Härter ist das, was man einen exzellenten Strategen nennt“, sagt ein Manager aus der Frankfurter Investmentbankerszene. Wiedekings Welt ist die Technik und die Produktion. Härters Welt sind die Zahlen. Das Duo ergänzt sich perfekt. „Da mischt sich keiner in die Welt des anderen ein“, sagt ein Mitarbeiter. Wiedeking habe in Geldsachen nahezu grenzenloses Vertrauen in Härter. Und der kennt seine Rolle. „Der bräuchte das ganze Blech nicht, um Geld zu verdienen“, scherzt Wiedeking bisweilen über das Finanz-Genie.

Genau das hat Härter in den vergangenen Jahren bewiesen. Früher stürzte ein schwacher Dollar Porsche mit seinem hohen US-Absatz unweigerlich in die Krise. Härter schafft es heute, mit Währungsabsicherung sogar Geld zu verdienen. Derivate, Hedging, Optionen: das ist die Welt des Holger Härter, und sie macht ihn geheimnisvoll.

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