Porsche
Michael Macht – ein zweiter Wiedeking?

Die Ernennung Michael Machts zum neuen Porsche-Chef ist typisch für den Sportwagenbauer. Auch Wendelin Wiedeking war bei seinem Amtsantritt 1992 Produktionschef und ein bis dahin unbeschriebenes Blatt. Doch damit dürften die Parallelen schon beendet sein. Macht wird bei Porsche weder die starke Stellung noch die Gehaltsdimensionen seines Vorgängers erreichen.

STUTTGART/FRANKFURT. Die Zeit der horrenden Vorstandsvergütungen bei Porsche, mit insgesamt 143 Mio. Euro im vergangenen Geschäftsjahr, ist mit dem Wechsel an der Unternehmensspitze wohl zu Ende.

Der neue Porsche-Chef Michael Macht steht jetzt vor einer ebenso schwierigen wie delikaten Aufgabe. Der 48-Jährige muss nicht nur in der schwersten Branchenkrise seit Jahrzehnten die stolze Marke unter dem Dach des VW-Konzerns integrieren und pflegen – er muss vor allem viel zerschlagenes Porzellan wieder kitten. Denn nicht nur das VW-Management in Wolfsburg wird sorgsam beobachten, was Macht als Nachfolger von Wendelin Wiedeking in Stuttgart-Zuffenhausen für Wege geht. Auch die tief verletzte Belegschaft, die unter Betriebsratschef Uwe Hück bis zuletzt gegen eine Übernahme gekämpft hat, muss Macht wieder auf Versöhnungskurs bringen und für den neuen Kurs gewinnen.

„Der neue Porsche-Chef muss nicht nur führen, er muss vor allem vermitteln“, glauben Berater. Macht bringt dafür nicht die schlechtesten Voraussetzungen mit. Der bisherige Produktionsvorstand hat zumindest die Rückendeckung des VW-Managements. „VW-Chef Martin Winterkorn und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch schätzen ihn“, heißt es bei Volkswagen. Über die Zusammenarbeit beim Porsche Cayenne gebe es schon lange Kontakte zwischen dem Produktions-Profi und den Granden in Wolfsburg. „Auf Managementebene läuft die Zusammenarbeit hervorragend“, vertraute Macht noch kurz vor Wiedekings Fall dem Handelsblatt an.

Der Diplom-Ingenieur Macht gilt auch bei der Stuttgarter Belegschaft als einer von ihnen. „Der Nachfolger kommt immerhin aus dem eigenen Haus und wird nicht aus dem VW-Konzern entsandt“, heißt es in Zuffenhausen. „Das soll ein friedensstiftendes Signal sein.“ Macht hat seine gesamte Laufbahn bei Porsche verbracht und wird dort wegen seiner sachlichen Art geschätzt.

Die erste Reihe, die große Bühne war seine Sache bisher allerdings nicht. Als Anfang März der Sportwagenbauer am Rande des Genfer Automobilsalons zum Abendessen lud, blieb Macht im Hintergrund und überließ die Ansprachen anderen Vorständen. Doch die Rolle als Schattenmann hat spätestens mit dem Rückzug von Wiedeking ausgedient.

Dennoch wird Macht nicht in die großen Schuhe des Westfalen schlüpfen müssen, schon allein, weil er nicht Chef der Holding, sondern nur Mitglied des Holding-Vorstands wird. Das ist auch ein Zeichen des Bedeutungsverlusts von Porsche in der neuen Konzernstruktur. Die Porsche AG wird die zehnte Marke unter dem Dach der Wolfsburger – und Macht bald kein Vorstandschef mehr, sondern lediglich ein Markenchef unter der operativen Leitung von VW-Chef Winterkorn.

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