Porsche-Prozess: Freispruch für Wendelin Wiedeking

Porsche-Prozess
Freispruch für Wendelin Wiedeking

Das Landgericht Stuttgart hat Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vom Vorwurf der Marktmanipulation im VW-Übernahmepoker freigesprochen. Für die Staatsanwälte, die Haft gefordert hatten, wird das Urteil zum Debakel.
"Ich bin erleichtert"

Nach dem Freispruch spricht jetzt Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Posted by Handelsblatt on Freitag, 18. März 2016

StuttgartVor dem Urteil am Freitag war doch eine gewisse Anspannung bei dem früheren Porsche-Chef zu spüren. Wendelin Wiedeking knetete beide Hände, eine typische Abwehrgeste, in schwierigen Situationen die eigenen Kräfte zu sammeln.

Als er den Freispruch des Richters hört, folgt ein kurzer Blick zu seinem Anwalt Hanns Feigen, der auch schon Uli Hoeneß ein mildes Urteil verschaffte. In für ihn typischer Manier zieht der 63-Jährige Manager die Augenbrauen hoch, kein Lächeln aber doch Erleichterung huscht ihm über das Gesicht. Ein leichter Klapps auf die Schulter des zweiten Anwalts neben ihm. Es folgt die Urteilsbegründung. Jeder Satz eine Genugtuung für Wiedeking. „An den Vorwürfen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts - weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte“, urteilt der Vorsitzende Richter Frank Maurer am Stuttgarter Landgericht.

Die Staatsanwälte hatten zweieinhalb Jahre Haft für Wiedeking und 27 Monate für den Ex-Finanzchef Holger Härter gefordert. Die Anwälte von Wiedeking und Härter hatten am Montag in ihren Plädoyers Freispruch gefordert und waren die Staatsanwälte dabei harsch angegangen.

Richter Maurer kritisiert den betriebenen Aufwandmit unzähligen Durchsuchungen und einen Berg von 200 Aktenordnern, ohne dass in sieben Jahren ein stichhaltiger Beweis dabei herausgekommen sei. „Subjektive Überzeugungen reichen für eine Verurteilung nicht aus“, sagt Maurer und verweist auf einen grundlegenden Irrtum bei den Staatsanwälten. „Professionelle Vorbereitungen sind keine Vorwegnahme von Entscheidungen in Unternehmen“, betonte Maurer.

Im Gegenteil: Es sei die Pflicht eines Kaufmanns, alle Szenarien durchzuspielen und das gelte vor allem bei Firmenübernahmen und erst recht, wenn Fragen der Finanzierung und des rechtlichen Rahmens wie beim VW-Gesetz nicht sicher seien. „Das ist etwas anderes als Brötchen einkaufen“, schulmeistert Maurer die Staatsanwälte.

Wenig Verständnis zeigt Maurer dafür, dass die Staatsanwälte die besondere Rolle von VW-Patriarch Ferdinand Piëch negiert hätten. „Herrn Piëch als optisches und psychologisches Problem zu bezeichnen, beleidige dessen Intellekt und verkennt dessen Einflussmöglichkeiten, wie Zeugenaussagen belegt haben“, sagt Maurer. Piëch wurde in er Übernahmeschlacht zu Wiedekings Gegenspieler, der zudem als VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Aufsichtsrat auf beiden Seiten in die Karten schauen konnte. Wiedekings Anwalt Feigen nennt das Urteil eine „juristische Hinrichtung“ der Staatsanwaltschaft.

„Wenn ich so gerechnet hätte wie der Staatsanwalt, wäre ich zu Recht hier angeklagt worden“, sagt Ex-Porsche-Finanzchef Härter. „Ich bin froh, dass es jetzt im Urteil offiziell mal gesagt wurde, dass Porsche nicht die Pleite drohte, dass wir drei Milliarden Liquidität am 26. Oktober 2008 hatten und jederzeit Zugriff auf weitere vier Milliarden Euro“, betont Härter.

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