Porträt: Alan Hippe: Präzise wie James Bond

Porträt
Alan Hippe: Präzise wie James Bond

Alan Hippe wurde in den vergangenen Wochen für viele Jobs gehandelt. Nun ist klar, wohin ihn seine neue Mission zieht: Der Conti-Finanzchef wechselt zum größten deutschen Stahlkonzern Thyssen-Krupp - doch da ist er nicht bei allen willkommen.

DÜSSELDORF/HAMBURG. So sicher wie vergangene Woche hat sich Continentals Finanzchef Alan Hippe selten gefühlt. Mittwochnacht flog der Manager – von Geheimagent James Bond beschützt – von den USA nach Deutschland. Bond-Darsteller Daniel Craig („Ein Quantum Trost“), der im selben Flieger saß, trieb nach einem von der Klatschpresse viel beachteten TV-Auftritt in der „Jay Leno Show“ ein neuer Film nach München. Conti-Vize Hippe reiste in die Firmenzentrale des Autozulieferkonzerns nach Hannover, um die Wogen zu glätten. Denn seine Aussagen vor Investoren und Analysten auf dem „German Investment Seminar 2009“ in New York hatten in der Presse hohe Wellen geschlagen.

Normalerweise formuliert Hippe, wie Bond schießt: absolut präzise. Doch diesmal gingen zwei Sätze tüchtig daneben. Der 42-Jährige sprach quasi nebenbei eine mögliche Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe an, die den Conti-Kurs in der Folge in den Keller drückte.

Vielleicht war Hippe da schon in Gedanken bei seinem neuen Arbeitgeber Thyssen-Krupp, bei dem er nach Lage der Dinge wohl bereits Anfang Februar als neuer Vorstand für Finanzen und Controlling anheuern wird. In der Aufsichtsratssitzung vor der heutigen Hauptversammlung des Ruhrkonzerns dürfte die Personalie bereits Thema sein. Offiziell berufen wird Hippe aber erst, nachdem er in Hannover seinen Rücktritt eingereicht hat, heißt es in Konzernkreisen bei Thyssen-Krupp. Dies dürfte bereits nach der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung von Conti an diesem Samstag geschehen.

Jürgen Geißinger, dem Chef des Conti-Mehrheitsaktionärs Schaeffler, war nach den unbedachten Äußerungen Hippes in New York endgültig der Geduldsfaden gerissen. Seit dem Sommer, als Hippe an der Seite des damaligen Conti-Chefs Manfred Wennemer den Abwehrkampf organisierte, hatte er den smarten Manager auf dem Kieker.

Jetzt wollte er ihn loswerden. In der Schaeffler-Zentrale sieht man Hippes Gedankenspiele als strategischen Schachzug, den neuen Großaktionär unter Druck zu setzen. Je niedriger der Aktienkurs, desto größer die Probleme mit den kreditgebenden Banken, die als Sicherheit Schaefflers Conti-Aktien haben.

Dem erfahrenen Kapitalmarktprofi Hippe wiederum ist das autokratische Gebahren der Familienunternehmer aus Franken ein Dorn im Auge. Nun reißt er gleich eine dreifache Lücke: als Finanzvorstand, als Chef des selbst in Krisenzeiten stabilen Ertragsbringers, der Pkw-Reifensparte, und als Vize-Chef des Konzerns, der die gesamte Gummigruppe verantwortet.

Trotz des sich abzeichnenden Wechsels Hippes zu Thyssen-Krupp soll es vorerst eine interne Nachfolgeregelung geben, heißt es in Hannover. Erschwerend kommt hinzu, dass Contis Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg selbst unter massivem Beschuss Schaefflers steht. Von Grünbergs Aufgabe wäre es eigentlich, einen Hippe-Nachfolger zu finden. Den Markt hatte er bereits vor Monaten gescannt, als ein neuer Finanzmann Multivorstand Hippe entlasten sollte. Doch von Grünbergs Wahl missfiel Geißinger, der die Personalie blockierte.

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