Porträt
Bernd Wiedemann: Ein VW-Urgestein geht in Ruhestand

Erst wenn das Gespräch auf Brummis und Südamerika kommt, blitzt hinter der Brille von Bernd Wiedemann Leidenschaft auf. Wie schon tausendmal in den vergangenen Jahren erklärt er dann, dass VW auch ein Hersteller richtig schwerer LKW ist. Nutzfahrzeug-Chef Bernd Wiedemann will sich mit 64 Jahren zurückziehen.

FRANKFURT. Schließlich entstand unter seiner Führung in den 90er-Jahren im brasilianischen Resende eines der modernsten LKW-Werke der Welt. Damit gelang es sogar, Mercedes als Marktführer bei Brummis in Brasilien abzulösen.

Ab dem kommenden Jahr allerdings müssen andere das VW-Nutzfahrzeuggeschäft erklären. Bernd Wiedemann, der im Januar 64 Jahre alt wird, will sich zurückziehen.

Sein Nachfolger soll nach einem Bericht der Fachzeitschrift „Automobilwoche“ Stephan Schaller werden, der momentan für die Produktherstellung der VW-Sparte tätig ist. Er kam von BMW in die Bereichszentrale nach Hannover. Offiziell will der VW-Konzern weder kommentieren, dass Wiedemann Konzernchef Bernd Pischetsrieder bereits über seine Rückzugspläne informiert hat, noch sagen, wer ihm nachfolgen wird.

Doch der Zeitpunkt könnte von Wiedemann nicht besser gewählt sein. Der Hamburger, der in der Öffentlichkeit so freundlich und verbindlich wie nach innen zielstrebig und konsequent auftritt, übergibt einen Bereich, der nach Jahren mit deutlichen Verlusten in diesem Jahr wieder richtig Geld verdienen wird. Die hohen Investitionen aus den vergangenen Jahren, mit denen die Modellpalette vom Familienauto Caddy Life bis zum 40-Tonner-LKW ausgeweitet wurde, drücken zwar noch auf die Rendite, doch der Trend der Sparte zeigt eindeutig nach oben. 2005 verkaufte der Bereich erstmals mehr als 400 000 Fahrzeuge.

Mit Wiedemann geht ein Typus Spitzenmanager, der selten geworden ist. Er arbeitete seit Ende seines Studiums 1971 durchgängig bei VW. Nach mehreren Zwischenstationen im Konzern wechselt er 1989 als Vorstandsmitglied zur VW-Beteiligung Autolatina nach Brasilien. Einige Jahre später wurde er Vizepräsident von Volkswagen do Brasil. Seit 1995 ist Wiedemann die Nummer eins bei VW-Nutzfahrzeuge.

Wiedemann ging in dieser Position durch Höhen und Tiefen. Immer wieder gab es Gerüchte, die Sparte werde wegen hoher Verluste verkauft, bei VW-PKW eingegliedert oder mit Scania oder MAN verschmolzen. Alle Phasen hat Wiedemann überlebt. Der Vater zweier kleiner Kinder behielt die Nerven und verfolgte konsequent seine Ziele. Nun, da er die wichtigsten erreicht hat, geht er – freiwillig.

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