Porträt: Bernhard Steinrücke
Rastlos in Bombay

Sanft senkt sich eine rosa Tropendämmerung über den beschaulichen Breach Candy Swimming Club an Bombays Westküste. Deckstühle am Pool verbreiten Kreuzfahrt-Atmosphäre, und graublau streckt sich das Arabische Meer bis zum Horizont.

BOMBAY. Nur ein Hauch von schwefeligem Kanalisationsgeruch erinnert daran, dass dieses Relikt der britischen Kolonialzeit mitten in einer Megastadt mit 18 Millionen Einwohnern liegt, von denen die Hälfte in Slums lebt. In den Club kommt Bernhard Steinrücke, so oft es geht, nach dem Bürostress. „Es war ein verrücktes Jahr“, blickt ein müder Leiter der deutsch-indischen Auslandshandelskammer auf 2005 zurück.

Aber im neuen Jahr darf Steinrücke, der ohnehin mindestens einmal pro Woche im Flieger sitzt, noch mehr reisen. 2006 wird zum Indien-Jahr in Deutschland, und von Steinrücke wird Omnipräsenz verlangt. Premier Manmohan Singh kommt im April zur Hannover-Messe nach Deutschland, bei der Indien Partnerland ist. Dessen Unternehmen wollen mit einem riesigen Stand auftrumpfen. Bei der Berliner Tourismusmesse ITB treten die Inder im März erstmals mit einer eigenen Halle auf, bei der Cebit werden sie stärker denn je vertreten sein, und im Herbst steht das Land im Fokus der Frankfurter Buchmesse.

In Gegenrichtung steht ein ähnlicher Besucherstrom an von deutschen Managern und Politikern, die fast alle Steinrückes Hand schütteln werden. Dazu wird die Handelskammer auch noch 50 – genau so alt wie ihr Chef.

Er übernahm die Leitung vor drei Jahren von einem legendären Vorgänger: Günter Krüger. Der war mit seiner „Ente“ in den 60er-Jahren über die Türkei und Afghanistan erstmals nach Indien getuckert und wurde von dem Land nie wieder losgelassen. Von 500 Mitgliedern 1971 päppelte er die Kammer auf 6500 hoch. Damit ist sie heute nicht nur die weltweit größte Auslandshandelskammer, sondern auch Indiens mitgliederstärkste insgesamt, mit fünf Niederlassungen im Land, einem Verbindungsbüro in Deutschland und einer Mitarbeiterin in Brüssel.

Aber das reicht Steinrücke nicht. Gerade hat er 16 Repräsentanzbüros außerhalb etablierter Standorte eröffnet, in Orten wie Baroda und Jaipur. „Ich weiß, dass man mich immer an Krüger messen wird“, gibt der Kammerchef zu. Doch das sei eine willkommene Herausforderung. Sein Blick ist ständig in Bewegung, seine Hände hält er gefaltet, aber spielende Daumen zeugen von Rastlosigkeit.

„Er steht immer unter Strom, ist immer im Job“, sagt ein deutscher Manager in Bombay. Steinrücke sei ein geschickter Netzwerker und ein guter Kommunikator, meint ein anderer. Seine Kompetenz und Energie sind unbestritten. „Nur entspannen kann er nicht“, bedauert einer, der viel mit ihm zu tun hat.

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