Porträt
Bodo von Laffert bietet den Fisch für alle Fälle

In Japan entdeckte Bodo von Laffert die Sushi-Küche und brachte sie nach Hamburg. Das Geschäft mit den Reisröllchen war kein schneller Fischzug. Doch er blieb geduldig, und heute führt er eine der beiden größten Sushi-Restaurant-Ketten Deutschlands.

HAMURG. Nur ein paar vereinzelte Möwen kreisen über der Norderelbe, der Altonaer Fischmarkt sonnt sich in Mittagsruhe. Die Lagerarbeiter schlendern schon heimwärts, die Angestellten gehen gerade erst essen. In einer kleinen Sushi-Bar jongliert junges Bürovolk souverän mit hölzernen Essstäbchen. Eine Frau im Kostüm fischt sich ein Sake-Maki vom Teller, ein Reisbällchen mit rohem Lachs, umhüllt von Nori-Algen. Viele kommen für einen schnellen Mittagsimbiss hier hin, bevor sie wieder an den Schreibtisch eilen.

Lachshäppchen gab es am Hafen bereits als Imbiss, als Hans Albers noch durch die Kneipen rabaukte. Damals war der Lachs aber geräuchert und lag meist auf einem Brötchen. Sushi, der rohe Fisch aus der japanischen Küche, war bis vor zehn Jahren in ganz Hamburg nicht zu haben. Inzwischen können die Großstädter Sushi in Dutzenden Restaurants essen, können es in Supermärkten kaufen, in Hotels bestellen und auf großen Partys genießen. Die asiatischen Reisbällchen haben Hamburgs Gastro-Szene erstürmt, und dafür ist ausgerechnet ein Deutscher verantwortlich. Über der kleinen Bar am Fischmarkt hat er die Zentrale seiner Restaurant-Kette eingerichtet, von wo aus er eine der beiden größten Sushi-Ketten Deutschlands steuert.

Der Mann, der Sushi nach Hamburg brachte, gibt sich ganz unspektakulär. Er sitzt in einem kleinen Dreimann-Büro, die Lehne seines Drehstuhls hat eine Schramme in die Wand gefräst, offenbar hat hier niemand Zeit, sie zu übertünchen. Alles nichts Besonderes, sagen die schlichten Büromöbel. Bodo von Laffert selbst, Brillenträger, wirkt jünger als seine 39 Jahre und hat auf den ersten Blick auch nichts vom Typ des charismatischen Firmenchefs. Dabei hat er eine bemerkenswerte Laufbahn hingelegt. Schon mit 27 Jahren hatte der Sohn eines Unternehmers viel erreicht: Kaufmannsausbildung, Business-Schule, Auslandsaufenthalte in Japan, Amerika und Mexiko, Einstieg bei einer führenden Unternehmensberatung. Ein perfekter Lebenslauf. Doch für Bodo von Laffert fehlte eine entscheidende Stufe. Sein größter Traum war schon seit Jugendzeiten das eigene Unternehmen. Nach zwei Jahren in der Beratung sprach er bei einem Besuch in Südamerika mal wieder mit seinem langjährigen Freund Oliver Greiter über mögliche Geschäftsideen. Die beiden hatten gemeinsam schon Spargel zollfrei aus China importiert, in New York Briefbeschwerer aus Stücken der Berliner Mauer verkauft und auf den Philippinen versucht, in großem Stil Mangos zu importieren. Tausend Einfälle, viele Versuche.

In Chile kam den beiden Freunden schließlich der ersehnte Einfall, der die ganz großen unternehmerischen Träume in greifbare Nähe rückte. Auf einer Trekking-Tour in den Anden berichtete von Laffert dem Freund über seine Auslandsaufenthalte in Japan und darüber, dass es dort an jeder Straßenecke ein Sushi-Restaurant gibt. In Deutschland war Sushi noch weitgehend unbekannt. Und plötzlich war die lang gesuchte Geschäftsidee gefunden: Eine Sushi-Restaurant-Kette, profitabel geführt wie ein Unternehmen, mit einem Filial- und Franchise-Konzept. Noch am Abend schrieben von Laffert und Greiter ein erstes Konzept. Von da an ließ der Einfall sie nicht mehr los.

"Bodo von Laffert hatte schon immer unternehmerisches Blut in sich", erzählt Martin Koehler, sein ehemaliger Chef bei der Boston Consulting Group (BCG). "Mir war klar, dass wir ihn nicht ewig würden halten können." Schon bei seiner Bewerbung war von Laffert bei BCG aufgefallen - durch seinen Lebenslauf, der nicht geradlinig war. Und dadurch, dass er eine biedere, normale Handelslehre gemacht hatte, bevor er an die Uni ging. Koehler: "Das Tolle ist, dass er dabei immer auf dem Boden geblieben ist. Obwohl er oft analytisch schneller als die meisten anderen war, wurde er nie ungeduldig."

Bodo von Lafferts Langmut: Er zeigte sich schon in der Handelsschule, als er Japanisch als Fremdsprache wählte. Die Sprache mit ihrer für Europäer ganz anderen Logik zu lernen ist mühselig. Von 30 Teilnehmern blieben nur drei im Kurs. Von Laffert war einer davon. "So schnell werfe ich die Flinte nicht ins Korn", sagt er über sich selbst.

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