Porträt
Dieter Hahn: Von kaltem Blute

Die gefährlichsten Angreifer kommen schlicht daher, ohne große, bunte Fahnen, ohne lautes Geschrei. So wie Dieter Hahn gestern. In einer schlichten, schwarz-weißen Anzeige sucht die rechte Hand des ehemaligen Medien-Machers Leo Kirch Mitstreiter im Kampf gegen einen Titanen: die Deutsche Bank.

MÜNCHEN. Hahn fordert die Aktionäre des Finanzkonzerns auf, sich einer von ihm initiierten Klage gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Rolf Breuer anzuschließen. Ziel: Die Deutsche Bank soll Regressansprüche gegen den Ex-Lenker stellen.

Ende Januar hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die Bank und Breuer grundsätzlich für Schäden haften müssten, die der Printbeteiligungs GmbH, einst Teil des Kirch-Imperiums, aus einem Interview Breuers vom Februar 2002 entstanden sind. In einem weltweit ausgestrahlten Gespräch mit dem Wirtschaftssender Bloomberg hatte Breuer damals als Vorstandsvorsitzender der Bank der Kirch-Gruppe die Kreditwürdigkeit abgesprochen.

Nach Meinung von Hahn waren diese Worte die Ursache für die spätere Insolvenz im April 2002. Der Bundesgerichtshof stellte fest, das Breuer mit seinen Äußerungen die Aufnahme dringend benötigter Kredite erheblich erschwert habe. Das Interview sei eine Verletzung der aus dem Darlehensvertrag folgenden Pflicht, die Kreditwürdigkeit des Kunden nicht zu gefährden.

Die Höhe eines möglichen Schadensersatzes wird nun in weiteren Verfahren geklärt. Die Deutsche Bank hat Breuer aber bisher nicht in Regress genommen – das will Hahn jetzt ändern.

Obwohl: Ist es Hahn? Oder Leo Kirch? Schon immer war der steile Aufstieg des Oberhausener Juristen eng gekettet an das wechselvolle Schicksal der Kirch-Gruppe und ihres Patriarchen.

1993 holt Kirch Hahn in sein Reich. Schon zu diesem Zeitpunkt ist dessen Karriere eine bemerkenswerte Mischung aus persönlichem Aufstieg und dem Fall der Geschäfte, für die er tätig war. 1990 startet er ein Trainee-Programm bei Axel Springer und wird nach kurzer Zeit Vertriebsleiter des spanischen Boulevardblatts „Claro“ – das Magazin wird eingestellt. Er geht zum deutschen Pendant „Super“ – auch das verschwindet vom Markt. Ähnlich geht es bei Kirch weiter: Hahn wird Chef des Deutschen Sportfernsehens (DSF) – der Kanal bleibt defizitär.

Doch der greise Mediendirigent lernt den Bankkaufmann und hemdsärmeligen Manager schätzen. „Er kam bei jedem Mitarbeiter bis zur Poststelle gut an. Hahn ist extrem bodenständig“, sagt ein Weggefährte. Das gefällt Ziehvater Leo Kirch aus dem mainfränkischen Fahr: Er macht ihn zu seinem Stellvertreter.

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