Porträt: Gerhard Cromme
Der kreative Zerstörer

Gerhard Cromme hat zwei Gesichter. Wer den Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp auf den Aktionärstreffen des Ruhrkonzerns erlebt, glaubt es mit einem netten und freundlichen Menschen zu tun zu haben. Bei Siemens zeigt Cromme sein anderes Gesicht: hart und kompromisslos.

DÜSSELDORF. Auf den Hauptversammlungen von Thyssen-Krupp wird Crommes Ton nie scharf, auch dann nicht, wenn Kleinaktionäre ihre Redezeit kräftig überziehen oder mit ihren Beiträgen das Thema völlig verfehlen. Nur wenn seine Ermahnungen nicht wirken und im Saal die Zwischenrufe „Aufhören“ immer lauter werden, dreht Versammlungsleiter Cromme das Mikrofon ab.

Freundlich tritt er auch auf Pressekonferenzen der von ihm geleiteten Regierungskommission Corporate Governance auf, die einmal im Jahr ihren Bericht über die Einhaltung der Grundsätze für eine gute und transparente Unternehmensführung in Deutschland vorlegt. Journalisten, die der schlanke, groß gewachsene Mann mit dem graumelierten Haar nur bei dieser Veranstaltung sieht, begrüßt er mit Namen und einem aufmunternden „Wie geht’s?“

Das andere Gesicht des Gerhard Cromme ist das eines Managers, der mit Entschlossenheit und Härte seine Ziele verfolgt. Immer wenn der inzwischen 64-jährige promovierte Jurist von einer Sache überzeugt ist, setzt er sie kompromisslos und gegen alle Widerstände durch. Und immer sichert er sich dabei mächtige Verbündete.

Wie dieses Mal bei Siemens: Noch bevor er zum Aufsichtsratschef des größten europäischen Technikkonzerns gewählt wird, entschließt sich Cromme zu einem personellen Neubeginn bei Siemens. Erst bearbeitet er Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, bis dieser freiwillig seinen Posten niederlegt. Gemeinsam mit Aufsichtsratsvize Josef Ackermann, im Hauptberuf Vorstandschef der Deutschen Bank, knöpft er sich dann Klaus Kleinfeld vor, den – wie der jüngste Quartalsbericht dokumentiert – ohne jeden Zweifel erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden von Siemens. Mit einer öffentlich inszenierten Suche nach einem Nachfolger beginnen Cromme und Ackermann mit der Demontage des amtierenden Siemens-Chefs.

Zwar hat Kleinfeld in der Korruptionsaffäre bislang eine weiße Weste und ist bei angelsächsischen Investoren beliebt, allerdings fehlt ihm die Unterstützung der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat. Nur wenn Betriebsräte und die Vertreter der IG Metall geschlossen für eine Vertragsverlängerung Kleinfelds stimmen, wäre er zu halten – vielleicht.

Doch so nutzt Cromme Kleinfelds schwache Position und stürzt Siemens in ein Führungschaos. Denn ob sein Wunschkandidat, Linde-Chef Wolfgang Reitzle, nach München wechselt, um die Kleinfeld-Nachfolge anzutreten, ist höchst ungewiss.

Falls Linde-Chefkontrolleur Manfred Schneider seinen besten Mann kurzfristig nicht ziehen lässt, hat Cromme ein ernstes Problem: Konsequenterweise müsste er es selber lösen und zumindest für eine Übergangszeit als Siemens-Chef die Verantwortung für sein überstürztes Vorgehen übernehmen.

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