Porträt
Immer hart am Abgrund

Extremsituationen sind für ihn ganz normal: Michael Börnicke, früher Chef des Bezahlsenders Premiere, spielt als Chief Restructuring Officer eine Schlüsselrolle beim Modekonzern Escada. Kann er das Unternehmen aus der Existenzkrise führen? Ein Porträt.

DÜSSELDORF. Lässig steht Michael Börnicke im schicken Foyer, eine Flasche Bier in der Hand. Er hat seine Verhandlungen mit den Banken für ein paar Stunden unterbrochen und sich unter das Modevolk gemischt. 400 Gäste sind gekommen, um sich die neue Frühlingskollektion des Luxusmodekonzerns Escada im ganz in Weiß getauchten Show-Room im trostlosen Münchener Vorort Dornach anzuschauen.

Es ist Ende Juni. Und Escada hofft mit der neuen Kollektion, die erste unter der Regie von Vorstandschef Bruno Sälzer, der in den letzten Jahren stark verblassten Marke Escada neuen Glanz zu verleihen – und die drohende Insolvenz zu vermeiden. Seit gestern ist klar: Das ist misslungen. Der Vorstand wird wahrscheinlich schon heute wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht München Insolvenz anmelden. Der begonnene Konzernumbau soll aber fortgesetzt werden.

In dieser Existenzkrise wird Michael Börnicke nun eine wichtige Rolle zufallen. Er kam erst im Februar zu Escada und übernahm die Rolle des Chief Restructuring Officers. Er sollte Vorstandschef Bruno Sälzer helfen, den Luxusmodekonzern neu auszurichten und wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. Der Mann für Sonderaufgaben verhandelte intensiv mit Banken und Aktionären, um Sälzers Rettungsplan umzusetzen.

„Er musste quasi ab dem ersten Tag durchstarten“, sagt ein Unternehmens-Insider. Börnicke habe das finanzielle Restrukturierungskonzept mit ausgearbeitet. „Der war quasi rund um die Uhr mit Gesprächen und zahllosen Abstimmungen zwischen Beratern, Banken und Vorstand mit dem Thema beschäftigt.“

Mittelfristig sollte er Finanzvorstand Markus Schürholz ablösen, der seit 2006 dem Vorstand angehört. Doch nach Angaben von Beobachtern haben sich Börnicke und Schürholz inzwischen eingespielt: Schürholz kümmert sich ums finanzielle Tagesgeschäft, Börnicke um die Restrukturierung.

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