Porträt
Jassir Arafat: Verehrt und verachtet

Jassir Arafat ist seit Jahrzehnten das Symbol des palästinensischen Widerstands und des Kampfes für ein unabhängiges Palästina. Für die meisten Israelis ist er hingegen ein verhasster Mörder und „Erzterrorist“.

HB RAMALLAH. Seit fast vier Jahrzehnten steht der Friedensnobelpreisträger an der Spitze der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Sein Lebensziel, die Einrichtung eines Palästinenserstaates, hat er bislang nicht erreicht. Die vergangenen drei Jahre hielt Israel den weltberühmten Palästinenserführer in seinem Hauptquartier in Ramallah unter strengem Hausarrest.

Besonders der frühe Lebenslauf der politischen Symbolfigur gilt als geheimnisumwoben. Als Rahman Abdel Rauf Arafat al Kudwa al Husseini vermutlich am 4. August 1929 in Kairo geboren, gab er als Geburtsort Jerusalem an. Als junger Mann studierte er Ingenieurswesen in Kairo und wurde Studentenführer im damals ägyptisch verwalteten Gaza-Streifen. Es folgten Jahrzehnte des Exils.

Im Nahost-Krieg von 1956 kämpfte er als ägyptischer Offizier gegen Israel, ging dann als Bauingenieur nach Kuwait. Nach seiner Rückkehr nach Gaza gründete er die Fatah-Bewegung und wurde 1969 PLO-Chef. Von Jordanien aus ließ er Israel mit Terror bekämpfen. Doch 1970 erlitt die PLO im „Schwarzen September“ eine schwere Niederlage gegen die jordanischen Truppen. König Hussein ließ die Fatah aus dem Land treiben.

Vier Jahre später erreichte Arafat erste Anerkennung mit einer Rede vor den Vereinten Nationen, in der er Israel Frieden anbot. 1982 vertrieben die Israelis ihn und tausende Fatah-Kämpfer aus Beirut; Aufnahme fand er in Tunesien. 1988 proklamierte Arafat während der ersten Intifada (Palästinenseraufstand) das unabhängige Palästina und ließ sich von einem Kongress zum Präsidenten dieses nichtexistierenden Staates wählen.

Im Golfkrieg von 1991 setzte Arafat auf den irakischen Machthaber Saddam Hussein, nach dessen Niederlage schwenkte er auf Friedenskurs. 1993/94 kam der Durchbruch in den Autonomievereinbarungen mit Israel, 1994 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis gemeinsam mit den israelischen Politikern Schimon Peres und Izchak Rabin. 1996 wählten Arafat fast 90 Prozent der Palästinenser zum Präsidenten. Nach der Ermordung Rabins und der Wahlniederlage von Peres begann Arafats Abstieg. Peres' Nachfolger lehnten die Abkommen von Oslo ab. Unter Ehud Barak scheiterte die Konferenz von Camp David, zwei Monate später brach der Volksaufstand der Palästinenser aus, der Arafats Abstieg besiegelte.

In den letzten Jahren sahen die USA seine Person als eines der größten Hindernisse für eine Friedenslösung in Nahost, auch europäische Politiker mieden ihn zunehmend. Die israelische Führung drohte dem seit Beginn der blutigen Intifada wieder zum Todfeind gewordene Arafat zuletzt offen mit der Liquidierung.

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