Porträt
John Meriwether: Der entthronte „König des Leverage“

Wer hoch steigt, kann tief fallen. Eine Lehre, die Top-Finanzier John Meriwether eigentlich aus seiner eigenen Vergangenheit gezogen haben müsste. Doch offenbar wiederholt sich in diesem Fall die Geschichte: Wie schon 1998 soll sich der sogar als Finanzgenie bezeichnete Meriwether mit einen milliardenschweren Fonds verzockt haben.

FRANKFURT. Dieser Mann schockierte einst die Welt: Mehr als zehn Jahre ist es her, seit der bis dahin als „Finanzgenie“ geltende John Meriwether an den Festen des Weltfinanzsystems rüttelte. Während der Rubelkrise Ende der 90er-Jahre verzockte er sich an den internationalen Finanzmärkten derartig mit seinem Hedge-Fonds Long Term Capital Management (LTCM), dass das Unternehmen 1998 mit Milliardenhilfen gerettet werden musste, um einen Kollaps des Finanzsystems zu vermeiden.

Beeindruckt hat ihn das wohl nicht, gleich im Anschluss gründete er einen neuen Hedge-Fonds. Heute, elf Jahre nach der Pleite von LTCM, steht auch der vor dem Aus. Geschockte Anleger kolportieren es seit einigen Tagen: Meriwether, der einst vom Wirtschaftsmagazin Forbes als „Archimedes“ der Finanzwelt gerühmt worden war, habe sich auch mit JWM Partners LLC „verzockt“, diesmal mit japanischen Staatsanleihen. Zwischen September 2007 und Februar 2009 soll Meriwether mit dem Fonds Relative Value Opportunity II fast die Hälfte seines Kapitals verloren haben. Jetzt, heißt es, wolle er den Fonds schließen.

Seitdem schlägt dem in der „Windy City“ Chicago geborenen Mann, der sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet hat, ein eiskalter Wind entgegen.

Dabei hat der 61-Jährige das, was auch andere große Finanzjongleure wie der zuletzt verurteilte Bernard Madoff haben – ganz viel Charme und Charisma. Der Mann mit den irischen Wurzeln sei ein sympathischer Typ, sagen die, die ihn zu kennen glauben. Zwar „ein wenig durchgeknallt“, aber eben so, wie extrovertierte Finanzexperten oft sind – und vielleicht im Interesse des angestrebten Erfolges sogar sein müssen. Typen, die ihrem Erfolg alles unterordnen. Und in solchen Kreisen wird nicht lange gezögert beim Entscheiden, hier kommt nur der Wagemutige ans Ziel.

Und Meriwether gelang das oft. Anfang 2008 verwaltete er rund eine Milliarde Dollar Vermögen.

In Meriwethers Kreisen gab es nur ein Motto, sagen Beobachter: „Bloß niemals so langweilig sein wie die große Masse der Anleger.“ Denn Typen wie Meriwether wissen, dass die Masse an den internationalen Kapitalmärkten nicht erfolgreich sein kann.

Also schwamm der als „wagemutig“ beschriebene Manager auch nach dem LTCM-Debakel weiter gegen den Strom. Und musste auch in dieser Finanzkrise, die größer ist als alle vorherigen, die schmerzliche Erfahrung machen, dass die Sucht nach dem Extremen, die Lust auf das schwerelose Schweben im Finanz-Orbit, riesige Risiken birgt und letztlich auch für einen Überflieger im „Crash“ enden kann.

Der einstige Star-Trader des US-Finanzhauses Salomon Brothers ist offensichtlich aus Schaden nicht klug geworden. Meriwether hat erneut das gemacht, was ihm im Falle von LTCM zum Verhängnis wurde: Er hat ein zu großes Rad gedreht, indem er seine Investments durch den Einsatz von Krediten und Derivaten „hebelte“.

Und wieder ging es schief. Jetzt wurde der „König des Leverage“ von seinem Thron gestoßen. Und dem gläubigen Katholiken, der mehrfach ins südfranzösische Lourdes pilgerte, hilft jetzt wohl nur noch beten. Das Stehaufmännchen deshalb abzuschreiben, wäre allerdings verfrüht, sagen Experten.

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