Porträt
Josef Ackermann – der kühle Rechner

Josef Ackermann ist Chef der Deutschen Bank, Deutschland aber fremd geblieben. Der Schweizer setzt sein Renditeziel ohne Rücksicht auf Verluste um.

FRANKFURT. Was treibt Josef Ackermann an? Wie ferngesteuert scheint der 57-Jährige Schweizer seinem großen Ziel hinterherzulaufen – 25 Prozent Rendite auf das Eigenkapital. Diese Vorgabe, von vielen lange belächelt, wird der Chef der Deutschen Bank am Ende dieses Jahres erreichen – aber um welchen Preis?

Seit gestern ist klar, dass Ackermann mit seiner knallharten Renditepolitik nicht nur in der Öffentlichkeit eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hat. Vieles spricht dafür, dass er auch das Vertrauen des Aufsichtsratsvorsitzenden verspielt hat. Ganz offen räumt Chefkontrolleur Rolf Breuer ein, dass er sich bereits nach einem Nachfolger umsieht. Da nutzt es auch nicht mehr viel, wenn später der gesamte Aufsichtsrat eine Ehrenerklärung für Ackermann hinterherschiebt.

Der Grund für Breuers Affront ist nicht nur das Urteil des Bundesgerichtshofes. Es war Ackermann, der gegen den Widerstand von Vorstandskollegen die rabiate Schließung des größten Immobilienfonds der Deutschen Bank durchsetzte. Bis zur Neubewertung des Fonds kommen 300 000 Anleger nicht mehr an ihr Kapital – ein in Deutschland beispielloser Vorgang, und eine beispiellose Imagekrise für die Deutsche Bank.

Ahnte der Schweizer nicht, was er mit seiner Entscheidung auslösen würde? „Seit über drei Jahren sitzt Ackermann jetzt in Deutschland, aber angekommen ist er nie“, meint ein Manager der Bank. Vertraute habe er kaum in den Zwillingstürmen an der Frankfurter Taunusanlage. „Ein brillanter Analytiker, aber das Herz bleibt kalt.“ Ackermann und die Deutschen, das war schon immer eine schwierige Beziehung. Spätestens seit er sich vor Eröffnung des Mannesmannprozesses zum Victory-Zeichen hinreißen ließ, wurde er zur Symbolfigur des skrupellosen Kapitalisten. Alles was er seither anpackt, wird gegen ihn verwandt: sein Gehalt, sein Sparprogramm, sein Renditeziel – und nicht nur von der Linken. „Wenn man Milliardengewinne macht und gleichzeitig verkündet, man stellt 6 000 Leute frei, dann ist das eine Geschmacklosigkeit“, klagte CSU-Chef Edmund Stoiber.

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