Porträt Josef Hattig
Zumwinkels Schutzwall geht

Zehn Jahre lang stand Josef Hattig, einst Bremer Wirtschaftssenator und Chef der Beck's-Gruppe, dem Aufsichtsrat der Deutschen Post vor. In wenigen Wochen verliert Konzernchef Klaus Zumwinkel eine seiner wichtigsten Stützen im Unternehmen.

BONN. Dass die Werbe-Idee mit dem Dreimaster unter gelben Segeln zum Börsengang der Postbank von Josef Hattig stammt, ist nur ein Gerücht. Doch die Überlegung lag nahe. Denn ein grünes Segelschiff ist sozusagen Hattigs Markenzeichen: Einst war er maßgeblich an der Entwicklung des Werbeauftritts der Biermarke Beck’s beteiligt, damals als Chef der Brauerei-Gruppe. Nun segelt er davon, nach zehn Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Post. Nach der Hauptversammlung am kommenden Mittwoch in Köln geht er von Bord, dann sind es nur wenige Wochen bis zu seinem 75. Geburtstag im Juni.

Es ist ein Einschnitt für die Post, aber auch für ihren Lenker Klaus Zumwinkel. Gemeinsam haben er und Hattig aus der Bundespost den größten Logistikkonzern der Welt gemacht. Die Arbeitsteilung funktioniert bestens: Hattig hält Zumwinkel im Aufsichtsrat den Rücken frei – etwa in der Frage, ob DHL am verlustreichen US-Expressgeschäft festhalten soll. Für Hattig eine klare Sache: DHL muss auf dem größten Paketmarkt der Welt vertreten sein.

„Mit dem Josef Hattig verstehe ich mich blendend“, sagt dann auch Zumwinkel über den Industriekaufmann und Juristen. „Wir arbeiten toll zusammen. Die geradlinige Persönlichkeit von Herrn Hattig, gepaart mit seiner Marken- und Wirtschaftserfahrung, ist sehr wertvoll.“ Als Nachfolger Hattigs ist Ex-Lufthansa-Chef Jürgen Weber im Gespräch, der seit 2003 im Post-Aufsichtsrat sitzt. Auch Weber gehört zu den Vertrauten Zumwinkels: Beide kennen sich nicht nur aus dem Aufsichtsrat der Lufthansa, sondern auch aus dem Manager-Netzwerk der Similauner, einer Gruppe wanderlustiger Top-Manager.

Es war im Sommer 1996, als Bundespostminister Wolfgang Bötsch Hattig zum Aufsichtsratschef des gerade in eine AG umgewandelten Post-Konzerns berief. Hattig sei ein erfahrener Top-Manager, der über langjährige Erfahrung in der Führung eines weltweit tätigen Spitzenunternehmens verfüge, begründete Bötsch die Ernennung. Was er nicht sagte: Hattig war seit 1987 CDU-Mitglied und ein Hoffnungsträger im traditionell roten Bremen für die damalige CDU-Regierung unter Kanzler Helmut Kohl. Der hielt offenbar große Stücke auf den Beck’s-Mann und wollte ihn für die Politik abwerben.

Kohl hatte 1997 Erfolg: Hattig wurde in Bremen Wirtschaftssenator in der großen Koalition aus SPD und CDU und blieb es bis 2003. Die Aufforderung Kohls ist Legende: „Nun tun Sie mal was für Ihr Vaterland!“ Hattig war beeindruckt. „Ich hatte nicht den Mumm abzulehnen.“ Zwar klagte er bald über den „nicht effektiven“ Politikapparat, doch trug er dazu bei, dass sich unter der großen Koalition eine wirtschaftliche Aufbruchstimmung in Bremen entwickelte.

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