Porträt
Kampferprobter Versicherungsfuchs

Der Signal-Iduna-Chef Reinhold Schulte verliert gegen die Regierung und will gegen die Schweizer Bâloise gewinnen.

DORTMUND. Reinhold Schulte muss heute nach Düsseldorf. Dort überreicht ihm Ministerpräsident Jürgen Rüttgers das Bundesverdienstkreuz. Wenigstens ein erfreuliches Ereignis in harten Zeiten. Denn zuletzt handelte er sich vor dem Verfassungsgericht eine dicke Niederlage gegen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt ein.

Als Verbandsvorsitzender der privaten Krankenversicherer hatte der kampferprobte Manager gegen die Gesundheitsreform geklagt. Während seine Kontrahentin nach dem Richterspruch triumphierte, musste Schulte gequält in die Kameras lächeln. Und das, obwohl er doch gern im Rampenlicht steht, sagen die, die ihn kennen. Und noch lieber andere mit raffiniertem Witz aus der Fassung bringt. Doch diesmal hatte die Gesundheitsministerin die Lacher auf ihrer Seite.

Als Trostpreis blieb Schulte, der leidenschaftlich sein politisches Netzwerk pflegt, dass die Richter recht oft von den zwei Säulen in der Krankenversicherung redeten. Daraus bastelte er dann doch noch eine Spitze gegen Schmidt: Im Grunde sei das die Absage an die Bürgerversicherung, die von der SPD favorisiert wird, fand er.

Klein beigeben wird er auch in diesem Kampf nicht, schließlich ist für den begeisterten Fußballfan und wichtigsten Sponsor von Borussia Dortmund nach dem Spiel immer vor dem Spiel. Und das nächste Match läuft schon.

Denn als Signal-Iduna-Chef erweitert er gerade sein Reich: Seit April gehört der Krankenversicherungsverein der Unternehmensgruppe Deutscher Ring zu ihm. Diesen Coup hat er geschickt und schnell eingefädelt, als sich die Schweizer Bâloise im November von Ring-Chef Wolfgang Fauter trennte. Seither dienen rund 1000 Ringler zwei Eigentümern. Eine verfahrene Lage, seit ein paar Wochen verhandelt Schulte mit den Schweizern. Mehr will er dazu derzeit nicht sagen, schwieg gestern auch auf der Bilanzpressekonferenz, um die Schweizer nicht zu verärgern.

Zumindest die Lebensversicherung des Rings würde er gern der Signal Iduna einverleiben und damit seinen Platz unter den Top Ten der deutschen Versicherer zementieren. Schon in diesem Jahr kommt er auf Prämieneinnahmen von 5,2 Mrd. Euro und hat im Vergleich zu den meisten Konkurrenten eine solide Bilanz vorgelegt, weil er höchstpersönlich auf den frühen Ausstieg aus Aktien drängte. Damit bescherte er seinem Unternehmen einen höheren Gewinn als 2007 - ein ganz ausgeprägter Versicherungsfuchs eben.

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