Porträt: Laurenz Meyer
Mann der Attacke mit Verhandlungsgeschick

Laurenz Meyer hat den politischen Gegner nie geschont. Nicht in seiner Zeit als Fraktionsvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, und erst recht nicht als CDU-Generalsekretär seit November 2000. „Statistiktricks“ und „Arbeitsmarktkatastrophe“, warf der 56-Jährige nach typischer Meyer-Art der Bundesregierung erst vor wenigen Tagen vor, als die jüngsten Arbeitslosenzahlen bekannt wurden.

HB BERLIN. Es war seine vorerst letzte Presseerklärung, die er nicht in eigener Sache abgab.

Vor vier Jahren hatte CDU-Chefin Angela Merkel Meyer vor allem wegen seiner schneidigen Wortwahl anstelle des glücklosen Ruprecht Polenz berufen. Merkel selbst ist in ihrem Auftreten eher vorsichtig. Sie glaubte offenbar, dass ein Mann der Attacke, ein Mann der deutlichen Worte sie da gut ergänzen kann. „Wir müssen so reden, dass uns die Leute an den Stammtischen verstehen“, steht ganz oben auf Meyers Internet-Homepage. Manchmal neigt er jedoch zu Übertreibungen. Nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist sein Fauxpas bei seiner Vorstellung als Generalsekretär. Mit Blick auf seinen Vorgänger sagte er zu Merkel: „Einen zweiten Missgriff können Sie sich nicht leisten.“

Meyer war vor allem zu Beginn seiner Generalsekretärs-Zeit nicht unumstritten. Bereits nach drei Monaten stand er kurz vor einem Rücktritt. Der Volkswirt hatte ein CDU-Plakat im Stile eines Fahndungsplakats vorgestellt, auf dem Kanzler Gerhard Schröder (SPD) „Rentenbetrug in Serie“ vorgeworfen wird.

Hinzu kamen ständige Presseberichte über wechselnde Freundinnen, mit denen er auf Hauptstadt-Partys gesichtet wurde. Merkel war nicht gerade angetan, was aber einer gewissen Anerkennung für Meyers Erfolge in CDU-Männerriegen keinen Abbruch tat.

Festigen konnte Meyer seine Position erst mit seiner Wahl auf dem Dresdner Parteitag, wo er Ende 2001 rund 90 % der Stimmen erhielt. Er entwickelte zwar auch danach keine Kampagnen, die den Wählern nachhaltig im Gedächtnis geblieben wären. Meyer zeigte andere Stärken.

Geräuschlos handelte er mit der CSU das gemeinsame Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2002 aus. Und Ende 2003 war es vor allem der Generalsekretär, der die von Merkel ins Leben gerufene Partei- Kommission zur Reform der sozialen Sicherungssysteme zum Erfolg führte. Da Alt-Bundespräsident Roman Herzog - der eigentliche Namensgeber der Kommission - über Monate erkrankt war, musste Meyer praktisch den Vorsitz übernehmen.

Meyer kam in solchen Gesprächen zu Gute, dass er neben seiner politischen Karriere auch über Jahre als Manager beim Dortmunder Stromkonzern VEW AG gearbeitet hatte, der 2000 von REW übernommen wurde. Meyer kennt die Arbeitswelt und die Bedürfnisse von Unternehmen. Diese Verbundenheit könnte ihn nun aber seine politische Karriere kosten.

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