Porträt
Leo Kirch - der Herr der Filme

Leo Kirch hat als Unternehmer ein Imperium aus dem Nichts geschaffen. Zur besten Zeit arbeiteten 10.000 Menschen für ihn. Doch dann kam der jähe Absturz. Eine bewegte Lebensgeschichte.
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MünchenLeo Kirch hat hoch gepokert und viel verloren. Aus eigener Kraft hat der Sohn eines fränkischen Winzers einen der mächtigsten Film- und Fernsehkonzerne Europas mit fast 10.000 Beschäftigten aufgebaut. Doch im Frühjahr 2002 musste Kirch im Alter von 75 Jahren zusehen, wie sein Lebenswerk zerbrach: Die Kirch-Gruppe war pleite.

Umwerfen ließ sich Kirch davon aber nicht. „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen“, sagte der gläubige Katholik lakonisch und arbeitete in den folgenden Jahren trotz gesundheitlicher Probleme infolge von Diabetes aus seinem Münchner Stadtbüro weiter und mischte im Verborgenen auch in der Medienbranche mit. „Kirch ist bis zum letzten Atemzug Unternehmer“, sagte ein langjähriger Vertrauter einmal über ihn. Am Donnerstag starb Leo Kirch im Alter von 84 Jahren im Kreise seiner Familie.

Jahrzehntelang war Kirch die graue Eminenz der deutschen Medienlandschaft. Kirch galt als unersättlich, gewieft und risikobereit - eine Kombination, die nicht nur seine Gegner fürchteten. Auch in der Öffentlichkeit mischte sich die Bewunderung für den „Herren der Filme“ mit zunehmender Größe seines Konzerns mit einer Furcht vor einem übermächtigen „Big Brother“ aus Bayern. Wie bei kaum einem anderen deutschen Unternehmen war der Name des Gründers verknüpft mit dem seines Konzerns. Lange Zeit konnte er aus seinem Büro in der Firmenzentrale in Ismaning bei München ohne Kontrollmechanismen Milliarden bewegen und die deutsche Medienkonkurrenz in Angst und Schrecken versetzen.

Durch seine Zurückhaltung in der Öffentlichkeit - lange Zeit gab es nicht einmal Fotos von dem Unternehmer - wurde der Mythos noch verstärkt. Einen seiner wenigen öffentlichen Auftritte hatte Kirch im Mai 2008 als Trauzeuge bei der zweiten Hochzeit von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, mit dem er persönlich befreundet war. Die guten Kontakte Kirchs zu einflussreichen Politikern und großzügige Kredite der Banken trugen in Kirchs besten Jahren zum Eindruck des machtbesessenen Medienmoguls bei. „Wenn Leo Kirch in Schwierigkeiten kommt, freut sich halb Deutschland“, schrieb der Medienwissenschaftler und SPD-Politiker Peter Glotz im Juni 1998 über den „ungeliebten Tycoon“. Damals war die Fusion des Digitalfernsehens DF1 mit Premiere untersagt worden - für Kirch eine schwere Niederlage.

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Kirchs Imperium fiel wie ein Kartenhaus zusammen

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  • einer der letzten großen unternehmer ist von uns gegangen. einer der unternehmer war aus leib und seele. einer der seine persönlichen bedürfnisse in den hintergrund stellte und bis zuletzt sehr bescheiden lebte. einer der auch gerade wegen seiner menschlichen seite sehr geschätzt wurde. einer der selbst sein werk errichtete und der den eigenen mitarbeitern nicht fremd war, sondern einer für den seine mitarbeiter gerne arbeiteten. selbst als er mit seinem unternehmen scheiterte, konnte es sich der loyalität seiner mitarbeiter und freunde sicher sein.

    ruhe in frieden leo kirch.
    wir sehen uns in der ewigkeit.

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