Porträt
Leonard Abess: Der gute Banker

Helden werden nicht geboren, sondern gemacht. Und für niemanden gilt das derzeit so wie für Leonard Abess – Amerikas neuer Held, Obwohl er Banker ist. Weil er Banker ist.

NEW YORK. Seine Figur ist eher schmächtig, er trägt einen weißen Kinnbart und führte bisher ein unauffälliges Leben an der Ostküste von Florida. Doch Leonard Abess ist Amerikas neuer Held. Was der Chef der City National Bank of Florida getan hat, klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Er verteilte 60 Mio. Dollar seines persönlichen Einkommens an seine Mitarbeiter.

Alle 399 Angestellten der Provinzbank bekamen etwas, manche zehntausend, manche hunderttausend Dollar, vom Buchhalter bis zur Frau hinter dem Schalter. Selbst 72 Ruheständler bedachte der Banker. Und das in einer Zeit, in der sich seine Kollegen von Großbanken ungerührt Boni in zweistelliger Millionenhöhe in die eigene Tasche stecken, obwohl sie ihre Institute in die roten Zahlen geführt haben.

Die gute Tat geschah bereits im vergangenen November, doch außer den Beschenkten erfuhr zunächst keiner davon. Mitte Februar jedoch bekam die Lokalzeitung „Miami Herald“ Wind von der Sache, und dann drang die Geschichte zu US-Präsident Barack Obama. Vermutlich nicht ganz zufällig – Abess ist bekennender Demokrat und spendete fleißig für Kongress- und Präsidentschaftskandidaten, allerdings keinen Cent für Obama. Der sah über diesen Umstand großzügig hinweg und lud den neuen guten Banker von Amerika zu seiner Rede ein, die er am Dienstagabend vor dem Kongress hielt. „Leonard Abess verteilte einen 60-Millionen-Bonus an seine Mitarbeiter“, rief der Präsident und deutete auf den Mann auf der Zuschauerbank. Abess blinzelte ins Scheinwerferlicht, stand auf und verbeugte sich. Tosender Beifall.

Genau genommen war es kein Bonus, den der 59-Jährige weiterverteilte. Die City National Bank ist seine Bank, und von der hat er einen großen Teil an die spanische Bank Caja Madrid verkauft. Rund 927 Mio. Dollar bekam er dafür, 60 Mio. gab er weiter. „Ich kenne einige dieser Leute, seit ich sieben Jahre alt bin. Es fühlte sich nicht richtig an, das ganze Geld selbst zu behalten“, erklärte Abess dem Miami Herald. Er habe sich auch Sorgen gemacht, weil viele Mitarbeiter in der Krise ihre Rücklagen verloren hatten.

Die City National Bank wurde 1946 von Abess Vater gegründet, jedoch in den 80er-Jahren mehrfach verkauft, bis sie bei einem kolumbianischen Kaffeehändler landete, der sie in den Ruin trieb. Abess Junior kaufte das Institut aus der Insolvenz heraus und baute es zu einer gutgehenden Regionalbank aus. Seine Frau Jayne und er leiden nicht unter Geldmangel – sie leben auf einem fünf Hektar großen Anwesen, das sie für 23 Mio. von dem Schauspieler Sylvester Stallone erwarben.

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