Porträt: Peter Wallenberg
Auftritt „Pirre“

Wo er auftaucht, herrscht dicke Luft: Der Qualm seiner unzähligen Zigaretten und Pfeifen trägt einiges dazu bei. Doch die Luft wird für viele auch allein durch die Anwesenheit des Peter Wallenberg ganz knapp. Er zieht in einer der mächtigsten Familiendynastien Europas mit 80 noch die Fäden.

STOCKHOLM. Der Mann ist trotz seiner gedrungenen Körperhaltung einnehmend. Es ist diese Mischung aus Ehrfurcht, Bewunderung, Argwohn und Skepsis, die ein jedes Gespräch verstummen lässt, wenn er den Raum betritt.

Peter Wallenberg hält auch mit seinen nun 80 Jahren alle Fäden in einer der mächtigsten Familiendynastien Europas in der Hand. Über Stiftungen kontrolliert sie zusammen mit der Wallenberg-Holding „Investor“ Unternehmen wie den Telekomnetzausrüster Ericsson, den weltweit größten Hausgerätehersteller Electrolux, den LKW-Hersteller Scania, den Papierkonzern Stora-Enso und natürlich die hauseigene SEB-Bank.

„Pirre“ hat sich rar gemacht, wie er innerhalb der Familie, aber auch in der schwedischen Öffentlichkeit nicht zuletzt wegen der besseren Unterscheidbarkeit der vielen Peter und Jacob im Stammbaum der Wallenbergs genannt wird. „Pirre“ hat sich in den vergangenen Jahren von den meisten seiner offiziellen Posten zurückgezogen. Er steuert nur noch die familieneigenen Stiftungen. Das Alter fordert eine ruhigere Gangart.

Doch wenn seine nicht wenigen Widersacher meinen, der alte Herr habe sich völlig zurückgezogen und die Macht seines Imperiums an die Nachfahren übertragen, täuschen sie sich schwer. „Keine größeren Geschäfte werden abgeschlossen, ohne dass Pirre mit an Bord ist“, sagt einer seiner engsten Mitarbeiter.

Das Haar schütter und weiß, die Augen blau und wach – Peter Wallenberg gibt noch immer den Ton an. Und so manch ein Geschäftspartner dürfte den vorgelegten Vertrag in Anwesenheit des alten Wallenbergs noch schneller unterschrieben haben als sonst.

„Esse, non videri“ – „da sein, aber nicht gesehen werden“ lautet das Familienmotto. Peter Wallenberg hat es personifiziert. Selbst wenn heute seine Söhne Jacob und Peter jr. und sein Neffe Marcus das Tagesgeschäft führen, ist Pirre gegenwärtig.

Zuletzt, als etwa die Holdinggesellschaft der Wallenbergs, Investor, und die von ihnen kontrollierte Investmentgesellschaft EQT ein Übernahmeangebot an die Aktionäre des schwedischen Medizintechnik-Herstellers Gambro unterbreiteten. „Zu niedrig“, tönte es leise aus Stockholmer Finanzkreisen, selbst nachdem Investor und EQT ihre Offerte leicht nachgebessert hatten.

Der Alte polterte bei einem öffentlichen Auftritt kurz zurück: „Dann soll doch einer ein höheres Gebot vorlegen.“ Punkt, basta, finito. Die sonst gar nicht um Argumente verlegenen Fondsmanager verstummten unisono. Und das Wallenberg-Angebot wird wohl an diesem Mittwoch akzeptiert werden.

Mit der mächtigen Familie legt man sich in Schweden besser nicht an. Das haben auch die Sozialdemokraten zu ihrem Leitsatz gemacht. Die Partei, die das Land mit Unterbrechungen im Prinzip seit 80 Jahren regiert, dabei die radikale Umverteilung und den dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus auf ihre roten Fahnen geschrieben hat, ist seit langem eine stille Allianz mit der Macht in der Arsenalsgatan im Herzen Stockholms eingegangen. Dort residiert der Clan, liegt das Machtzentrum der Wallenbergs. Dort sagt Peter Wallenberg zwischen und unter den Kupferstichen seiner Vorfahren weiterhin, wo es langgeht.

„Die Sozialdemokraten können den Wohlstandskuchen gern verteilen, nur wie er gebacken wird, muss unsere Sache bleiben“, hat er einmal gesagt. Beide Seiten haben sich arrangiert, man duldet sich. Die Liaison geht so weit, dass die Sozialdemokraten sogar ein Gesetz erlassen haben, das den Wallenberg-Stiftungen besondere Steuervorteile einräumt.

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