Porträt
Piëch: Der alte Herr ist der neue Herr

Drei Fotos und einige dürre Worte – zum Amtsantritt des neuen Chefs im Januar 1993, zum Produktionsstart des Drei-Liter-Autos im Juli 1999 und zum Bau der Autostadt ein Jahr später. Mehr ist von den fast neun Jahren Ferdinand Piëch als Chef von Volkswagen nicht übrig geblieben.

WOLFSBURG. Zumindest sehen es die Ausstellungsmacher im Automuseum Volkswagen in Wolfsburg so. Auf gerade mal eineinhalb Säulen im Flur des Museums, das mit seinen angestaubten Vitrinen, den leicht ergrauten Wänden und der schlechten Luft VEB-Atmosphäre verbreitet, wird die Ära des Porsche-Enkels abgehandelt.

Ein bisschen wenig für einen Mann, der 3392 Tage an der Konzernspitze von Europas größtem Autobauer stand, unter dem sich der Umsatz verdoppelte, der aus einem Milliardenverlust einen Gewinn von drei Milliarden Euro machte und der von vielen zum „Automanager des Jahrhunderts“ gekürt wurde. Zu wenig für einen Mann, der heute mächtiger ist denn je – getrieben von dem Ehrgeiz, die Bedeutung seines Großvaters Ferdinand Porsche für die Automobilindustrie noch zu übertrumpfen.

Legte Porsche in den dreißiger Jahren mit seinem Ingenieursgeschick die Basis für die Weltunternehmen Volkswagen und Porsche, schaffte es sein Enkel knapp 70 Jahre später, die beiden Unternehmen wieder zusammenzuführen. Dabei galt er eigentlich schon als untergehender Stern. Doch der unberechenbare Ferdinand Piëch, bei dem nach Erzählungen von Vertrauten „nicht einmal seine Frau weiß, was er in zehn Minuten macht“, strahlt nun wieder. Musste er sich noch vor Monaten auf dem Höhepunkt der VW-Korruptionsaffäre fragen lassen, ob er überhaupt noch Aufsichtsratschef von Volkswagen sei – so ruhig war es um den 68-Jährigen geworden –, triumphiert er jetzt wieder. Aus dem seit Wochen tobenden Machtkampf in Wolfsburg ist er als klarer Sieger hervorgegangen. Weder ein angeblicher Putschversuch von Mitgliedern des Kontrollgremiums konnte ihn aus dem Amt drängen noch eine Studie, die sein größter Widersacher, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, bei der Investmentbank J.P. Morgan in Auftrag gegeben hatte und die zu dem Ergebnis kam: Piëch muss weg als Aufsichtsratschef. Das alles hat er überstanden und wie! Porträt eines Besessenen.

Seite 1:

Piëch: Der alte Herr ist der neue Herr

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%