Porträt: Robert Halmi Jr.
Blut, Schweiß, Action

Robert Halmi Jr. und sein Vater haben ihre TV-Produktionsfirma zurückgekauft - ein Novum in der Branche. Nun setzen die Halmis zur inhaltlichen Strategiewende an, weil die einst gut gehenden tuffig-leichten Inhalte nicht mehr so gut gehen. Das Publikum will mehr Blut sehen.

CANNES. Lässig, manchmal gar exzentrisch, niemals aber langweilig – so lautet die inoffizielle Kleiderordnung in Cannes, wenn sich Fernsehmanager, Filmproduzenten und Rechtehändler zur Fernsehmesse Mip-TV treffen.

Robert Halmi Jr. fällt im Schatten der Palmen auf der Strandpromenade Croisette ins Auge mit seinem marineblauen Business-Anzug in all der vorgetäuschten mediterranen Entspanntheit. Der 49-Jährige trifft sich hier mit Partnern wie den Abordnungen von RTL und Pro Sieben Sat 1 oder dem Rechtehändler Herbert Kloiber (Tele 5, RTL 2).

Der fast glatzköpfige Präsident des amerikanischen Produktionskonzerns RHI entspannt sich in seiner Freizeit zwar mit Golf und Fotografieren – doch wenn es ums Geschäft geht, wählt er die Optik eines Unternehmensberaters. Das ist wohl auch nur angemessen, schließlich stellt er Amerikaner seine Firma auf den Kopf. Eine neue strategische Ausrichtung muss her, meint der Millionärssohn von der Ostküste.

Zusammen mit seinem Vater, Robert Halmi Sr., und dem Finanzinvestor Kelso & Company kaufte der Produzent, Regisseur und Kaufmann nach elf Jahren den Konzern wieder vom amerikanischen Grußkartenhersteller Hallmark zurück. „Es ist für uns die Zeit gekommen, ein neues Kapitel mit der Flexibilität eines unabhängigen Unternehmens aufzuschlagen, das seinen Kunden eine bessere Dienstleistung bieten kann“, sagte der smarte Fernsehmensch bei der Unterzeichnung des Vertrags im Januar.

In der Branche ist der Deal ein Novum. Zuerst verkauft ein Produzent seine Firma, leitet sie unter dem neuen Eigentümer und kauft sie schließlich wieder zurück. 1994 zahlte Hallmark – in den USA ein Synonym für Grußkarten und Papierwarenläden – Vater und Sohn Halmi 365 Millionen Dollar für ihr Unternehmen – dem erstaunlich hohen Angebot konnten die Halmis nicht widerstehen. Erst recht, weil sie selbst das Unternehmen weiterführten.

Für Hallmark selbst scheinen die Halmis ein idealer Partner: Sie sind bekannt für tuffig leichte Inhalte, die wunderschön zu den Kitschprodukten Hallmarks zu passen scheinen. Kaum ein Mythos oder Märchen („Arche Noah“, „Odyssee“, „Scarlett“), das nicht vom gebürtigen Ungarn Robert Halmi Sr. und seinem Sohn für den Fernsehbildschirm umgesetzt worden wäre. „Für das hohe Produktionsniveau waren die Senderechte vergleichsweise preiswert“, sagt Ludwig Bauer, Chef des Spielfilmsenders Tele 5. Mit technisch hochwertigen Filmen wie „Dinotopia“ haben sich die Halmis Renommee verschafft und gleichzeitig tief in die Tasche gegriffen: 86 Millionen Dollar kosten die sechs Stunden Programm.

Doch die Geschäfte laufen nicht mehr rund. „In den USA haben sie viel Gegenwind. Das Publikum fragt Serien und Filme mit mehr Action und mehr Blut nach“, sagt ein Rechtehändler. Im Gegensatz zu früher produzieren Bezahlsender wie HBO selbst aufwendige Miniserien wie das Sandalenepos „Rome“, das in Deutschland beim Pay-TV Premiere zu sehen war.

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