Porträt
Rolf Breuer – der redselige Königsmacher

Rolf Breuer, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, polarisiert wie kaum ein zweiter Banker in Deutschland.

FRANKFURT. "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – an dieses alte Sprichwort hat sich Rolf Breuer, der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, nie gehalten. Der barocke Manager mit der gesunden Gesichtsfarbe hat schon viele Sätze geprägt, die Finanzgeschichte gemacht haben. Am Mittwoch kam ein neuer dazu: „Ich habe meine Denkkappe auf“, sagte der 68-Jährige im Interview mit der „Financial Times“ – und man kann sich sein maliziöses Lächeln bei diesen Worten gut vorstellen. Worüber Breuer nachdenkt, ist klar – über einen Nachfolger für den Vorstandssprecher Josef Ackermann, der sich nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) von gestern wohl noch einmal vor Gericht wegen Untreue im Fall Mannesmann verantworten muss. „Bundesgerichtshof“, dieses Stichwort dürfte Breuer nicht nur wegen Ackermann die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Denn ein weiterer seiner berühmten Sätze lautet: „Was man alles lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder sogar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.“ Mit diesen Worten sprach Breuer im Februar 2002 dem Medienimperium von Leo Kirch vor laufenden Kameras die Kreditwürdigkeit ab. Vier Wochen später ging Kirchs Reich in die Insolvenz. Voraussichtlich am 24. Januar 2006 entscheidet der BGH ob die Deutsche Bank und Breuer Kirch Schadensersatz schulden. Für den 78-jährigen Medienpatriarchen aus München ist völlig klar, wer ihn in die Pleite getrieben hat: „Der Rolf hat mich erschossen“, sagte er in einem Interview. Mit dieser Meinung steht Kirch nicht alleine. Auch in Frankfurt glauben viele von Breuers Kollegen und Konkurrenten, dass er mit seinen Äußerungen vor knapp vier Jahren das Bankgeheimnis verletzt hat. Der Rheinländer polarisiert wie kaum ein zweiter Banker in Deutschland. Auf der einen Seite hat sich Breuer den Ruf als „Mr. Finanzplatz“ erworben. Niemand bezweifelt, dass sich der studierte Jurist um die Internationalisierung der Deutschen Bank und der Börsenlandschaft große Verdienste erworben hat. Breuer forderte als einer der ersten das Aufbrechen der Deutschland AG und die Öffnung der Unternehmen gegenüber dem Kapitalmarkt. Unter seiner Ägide wuchs das Traditionshaus Deutsche Bank zu einem globalen Spieler an den Weltfinanzmärkten mit heute knapp 65 000 Mitarbeitern. Aber auf der anderen Seite ist da eben auch Breuer, der Dampfplauderer. Vieles an Breuer ist widersprüchlich. Auf der einen Seite steht der bürgerliche Industriellensohn, der ein humanistisches Gymnasium besucht, der brillante Rhetoriker und kühle Analytiker. Auf der anderen Seite steht Breuer, der ausgefuchste Börsenhändler, der so gut bluffen kann und der das Risiko liebt.

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