Porträt: Simon Fuller: Der Mann, der von Beruf „Superstars“ macht

Porträt: Simon Fuller
Der Mann, der von Beruf „Superstars“ macht

Wenn Dieter Bohlen den Pop-Nachwuchs bei „Deutschland sucht den Superstar“ mal wieder vernichtend mit Donald Duck und Kermit vergleicht, dann sollte das niemand persönlich nehmen. Der Modern-Talking-Sänger spielt nur eine Rolle, die als wesentlicher Bestandteil der Sendung von Anfang an vorgesehen war.

HB/dpa LONDON. Ob in Frankreich, Spanien oder Amerika - überall, wo der Sängerkrieg ausgestrahlt wird, gibt es eine vierköpfige Jury, und überall gibt es einen Dieter Bohlen. Derjenige, der sich das alles ausgedacht hat, ist persönlich alles andere als witzig oder schlagfertig - aber dafür reich und mächtig: der englische Produzent Simon Fuller (42).

Der kleine Mann, der von Beruf Stars macht, scheut die Öffentlichkeit genau so, wie die Teilnehmer seines Wettbewerbs sie suchen. Wenn er aber mal etwas sagt, dann bekennt er sich offen zu seinem einzigen Ziel: Er will im Show-Business mehr kassieren als jeder andere. Fuller gilt als lebende Geldfabrik. Allein an der englischen „Superstar“-Ausgabe („Pop Idol“) verdiente er in einem Jahr 50 Millionen Euro. Der Gewinner Will Young kam gerade einmal auf 800 000 Euro.

Fuller war schon der Mann hinter den Spice Girls. Dass sie ihn 1997 über Nacht abservierten, war die schlimmste Niederlage seiner Laufbahn. Er konnte es kaum fassen - die Mädchen waren doch seine Kreation. Fuller fühlte sich wie Doktor Frankenstein, der die Kontrolle über den von ihm geschaffenen Kunstmenschen verloren hat. Auch 16 Millionen Euro Abfindung konnten ihn nicht trösten. Doch schon damals vermuteten manche, das Ganze sei für die Spice Girls vielleicht ein größeres Debakel als für ihren geschassten Manager. „Er wird wahrscheinlich der werden, den alle wollen“, vermutete der „Observer“ - und sollte Recht behalten.

Ein zweites Mal ist ihm so etwas wie mit den Spice Girls dann nicht mehr passiert. Die „Pop Idol“-Gewinner bekommen Knebelverträge, aus denen sie sich unmöglich lösen können. Fuller kassiert überall mit. In 16 Länder ist seine bisher erfolgreichste Idee schon exportiert worden. Zu den vielen Kritikern gehört Robbie Williams, der das Konzept „grausam“ findet und nicht glauben will, dass solche „Retorten-Stars“ wirklich Erfolg haben können.

Doch erstens musste er sich eines Besseren belehren lassen - der englische Gewinner Will Young verkaufte in nur einer Woche über eine Million Platten - und zweitens hat man Williams am Anfang seiner Karriere selbst den Vorwurf gemacht, einer unter Marketing-Gesichtspunkten künstlich zusammengestellten Band - „Take That“ - anzugehören.

Fuller ist aber auch jemand, den die Meinung eines Robbie Williams nicht im geringsten interessiert. Mit „Pop Idol“ beschäftigt er sich mittlerweile auch kaum noch - das ist ein Selbstläufer. „Der große Zampano“, wie ihn die britische Presse nennt, denkt schon wieder über andere Projekte nach. Wie er kürzlich im „Spiegel“ verriet, will er Konzernen dabei helfen, sich noch stärker in den Unterhaltungssektor einzubringen: Eine Fernsehshow für Nokia, ein Kinofilm für Coca-Cola - das sind die „Visionen“ eines Mannes, der noch viel Geld verdienen will.

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