Porträt Stefan Ermisch
Vom Analysten zum BayernLB-Chef

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sucht derzeit mit Hochdruck einen neuen Chef für seine Landesbank, die BayernLB. Kommissarisches Oberhaupt ist derzeit der bisherige Vize Stefan Ermisch und eigentlich bevorzugt die Landesregierung eine externe Lösung. Doch für Ermisch als permanten Chef spricht nicht nur dessen reichhaltige Erfahrung.
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MÜNCHEN. Ein gewisses Näschen für künftige Entwicklungen im Bankensektor muss man Stefan Ermisch zugestehen. Als Analyst bei der WestLB sagte er einst die Fusion von Hypo-Bank und Bayerischer Vereinsbank voraus, als in der Szene wenige daran glaubten. Einmal in Fahrt spekulierte der junge Analyst 1997 auch gleich über eine engere Verbindung von Allianz und Dresdner Bank. So kam es auch.

Inzwischen hat sich der 42-Jährige hochgearbeitet bis hin zum kommissarischen Chef der zweitgrößten Landesbank. Als BayernLB-Chef wird er all seine prophetischen und sonstigen Gaben benötigen, um das Kriseninstitut in ruhigeres Fahrwasser zu bringen.

Nachdem kurzfristig erzwungenen Rücktritt von Michael Kemmer war sein Vize Ermisch erst einmal die naheliegende Wahl. Zwar sucht Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) mit Hochdruck einen festen Nachfolger von außen. Der dürfte aber nicht so leicht zu finden sein, gestern jedenfalls zeichnete sich noch kein ernsthafter Kandidat ab. Im Fußball habe sich ja so mancher Co-Trainer in so einer Situation festgesessen, sagt einer aus dem Umfeld der Bank. „Einen Ackermann werden sie hier schließlich nicht auf den Platz bekommen.“ Auch bei der WestLB übernahm schließlich Vize Dietrich Voigtländer für ein paar Monate kommissarisch, ehe er vor wenigen Wochen dann doch dauerhaft an die Spitze rückte.

Für Ermisch spricht, dass er erst im Jahr 2008 zur BayernLB kam. Da war das Kind schon in den Brunnen gefallen, die tickende Zeitbombe Hypo Group Alpe Adria bereits erworben. Ermisch soll die Tochter eher skeptisch gesehen haben. Aus seiner Zeit bei der Bank Austria hatte er einen ganz guten Einblick.

Von seinem Analystenposten bei der WestLB war Ermisch 1998 zur frisch fusionierten Hypo-Vereinsbank gewechselt und übernahm dort die Führung der Investor-Relations-Abteilung. Die Karriere führte dann steil nach oben: Leitung der HVB-Konzernentwicklung, Finanzvorstand bei der Bank Austria, COO im Unicredit-Investment-Banking, HVB-Vorstand.

Schließlich holte Kemmer seinen alten Bekannten zur BayernLB. Ein zupackender Manager, der das offene Wort liebt, heißt es dort über den bulligen Mann mit dem Kurzhaarschnitt. Intelligent, mit einem sehr starken Willen, sagt einer, der früher mit ihm zusammengearbeitet hat. Die ihn kritisch sehen, formulieren das anders. Karriereorientiert und überehrgeizig sei der Manager.

Vorgänger Kemmer packte gestern seine Sachen. Beliebt in der Bank ist er noch immer. Die Schar der Mitarbeiter, die sich im fünften Stock der BayernLB-Zentrale persönlich von ihm verabschieden wollten, war groß.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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