Porträt
Viel Glanz, wenig Glamour

Frank-Michael Schmidt hält die Werbeagentur Scholz & Friends auch in der Krise auf Erfolgskurs. Sein jüngster Coup: Ein millionenschwerer Auftrag von Vodafone. Dabei ist der smarte Vorstandschef so völlig anders als der Rest der Werbezunft.

DÜSSELDORF. Konzentriert fährt er mit seiner Hand in die Aktentasche. Er lässt sich nicht beirren, redet weiter über kollabierende Werbemärkte, Identitätsprobleme der Agenturen und die Twittergemeinde, doch dann hat er endlich gefunden, was er sucht: einen kleinen silbernen Wecker, den er aufklappt und vor sich auf den blanken Konferenztisch stellt.

Frank-Michael Schmidt, Chef der größten unabhängigen Agenturgruppe in Deutschland, Scholz & Friends, sowie deren Muttergesellschaft Commarco, nimmt sich Zeit für das Interview. Und er hat auch einiges mitgebracht: Zeitungsartikel, die über ihn geschrieben wurden. Schmidt ist ausgezeichnet vorbereitet. In einem der mitgebrachten Texte steht der Satz: "Es gelingt ihm, die jeweils anstehende Aufgabe schon im Vorfeld gedanklich genauestens zu durchdringen und alle denkbaren Varianten durchzuspielen."

Vor gut einem Jahr legten die früheren Holding-Chefs Sebastian Turner und Thomas Heilmann die Geschicke der Firma in seine Hände. Jetzt, mehr als ein Jahr danach, zeigt sich, dass dies einer der wenigen gelungenen Generationswechsel in der Werbebranche war. Im Frühjahr errang der 47-jährige Schmidt seinen bislang größten Erfolg: Er gewann den Pitch um den 100-Millionen-Euro-Werbeetat von Vodafone und setzte sich damit gegen schwergewichtige Konkurrenten wie Grey und den früheren Etathalter JWT durch. In wenigen Tagen startet die neue Kampagne - der ungeliebte Slogan "Make the most of now" wird dann Geschichte sein.

"Es ist der größte Etat, den wir in den vergangenen zehn Jahren gewonnen haben", sagt Schmidt. Vier Wochen lang habe er sich damals aus der täglichen Arbeit ausgeklinkt, um nur noch für Vodafone da zu sein. "Dieses persönliche Commitment war wichtig", sagt er heute. Nun will er den Düsseldorfer Standort ganz nach den Wünschen des Mobilfunkunternehmens modellieren.

Eine ähnliche "langfristige Systempartnerschaft" ist Scholz & Friends in Hamburg im Gründungsjahr 1981 mit dem Kaffeeröster Tchibo eingegangen. Nach Ansicht des Agenturchefs ist das individuelle Zuschneiden von Agenturstrukturen auf die Bedürfnisse großer Kunden eines der wichtigen Zukunftsthemen.

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