Porträt: Werner Seifert
Seifert hat Gegner unterschätzt

Seit 1993 stand der 55-Jährige Werner Seifert an der Spitze der Deutschen Börse. Und die Fusion mit der Londoner Börse war sein Lebenstraum. Doch dabei hat der Börsen-Chef seine Gegner unterschätzt.

HB FRANKFURT. Nach langem Gezerre mit den Eigentümern über die Strategie der Deutschen Börse, das Für und Wider einer Fusion mit der Konkurrenz aus London und den Umgang mit den prall gefüllten Kassen muss Seifert seinen Posten räumen. Die Großaktionäre um den britischen Hedgefonds TCI saßen letztlich am längeren Hebel. Auch mit Zugeständnissen wie Milliarden-Ausschüttungen an die Eigner konnte Seifert sich nicht retten.

Aufsichtsratschef Rolf Breuer, der Seifert als Einziger noch den Rücken gestärkt hatte und zum Jahresende ebenfalls geht, muss nun quasi als letzte Amtshandlung das Kontrollgremium und den Vorstand an die neue Eigentümerstruktur „anpassen“.

Auf eine Hausmacht konnte Seifert, der mit Kontrahenten und ihm wohl gesonnenen Mitstreitern nicht gerade pfleglich umging, schon lange nicht mehr zählen. „Er macht es einem leider auch nicht immer einfach, ihn zu mögen“, sagte einer seiner Vertrauten, als der 55-Jährige nach des Scheiterns des zweiten Anlaufs zur Fusion mit der Londoner Börse LSE in die Kritik geraten war.

Innerhalb von nicht einmal fünf Jahren war er dort zum zweiten Mal abgeblitzt und sein Traum, mit der Übernahme der LSE den mächtigsten Börsenbetreiber Europas zu führen, geplatzt. Doch wie schon bei der ersten Pleite mit dem Fusionsprojekt „IX“ im Herbst 2000 demonstrierte Seifert bis zur letzten Minute trotzig Optimismus und blendete Gegenargumente von Opponenten in London und am Bankenplatz Frankfurt aus. Seine Kritiker, die ihm vielfach Arroganz vorwerfen, maßen ihm eine gehörige Portion der Schuld an dem Scheitern zu.

Dabei hat der frühere McKinsey-Unternehmensberater bei der Deutschen Börse durchaus eine gute Bilanz aufzuweisen. Im Herbst 1993 hatte er Rüdiger von Rosen an der Spitze abgelöst. Seifert trieb die Expansion gegen Widerstände und ohne Rücksicht auf die Eitelkeiten lokaler Präsenzbörsen voran. Aus dem provinziellen Frankfurter Börsenbetreiber machte der Honorarprofessor für „Börse und Kapitalmarkt“ an der European Business School in Oestrich-Winkel im Rheingau einen weltweit beachteten Konzern.

Seifert drängte die kleinen Parkettbörsen in Deutschland mit dem Aufbau des technologisch überlegenen Handelssystems Xetra an die Wand, schuf zusammen mit der Schweizer Börse die weltweit größte Terminbörse Eurex und brachte das eigene Haus erfolgreich 2001 an den Kapitalmarkt. Unter seiner Ägide hat die Börse ihren Umsatz in wenigen Jahren vervielfacht und den Gewinn deutlich gesteigert. Die deutschen Banken profitieren nicht nur als Anteilseigner von der hohen Dividende. Dank Xetra und deutlich gesunkener Transaktionskosten verbuchten sie im Handelsgeschäft beachtliche Einsparungen.

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