Portrait
Anwalt der Finanzkrise

Benedikt Wolfers ist hinter den Kulissen eine Schlüsselfigur bei der Sanierung der Banken: Denn er hat für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer im Auftrag des Bundes das Enteignungsgesetz begleitet, das beim notleidenden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate zur Anwendung kommt.

FRANKFURT. Wo Benedikt Wolfers ist, da ist die Mitte. Vom 22. Stock im Gebäude Potsdamer Platz 1 hat man einen erholsamen Blick auf den Tiergarten - doch der 44-jährige Jurist hat sich für ein Büro mit Weitwinkel-Aussicht auf die politische Achse von Berlin entschieden. "Berlin als Hauptstadt und Sitz der Bundesregierung ist das natürliche Zentrum für regulatorische Fragen. Was Frankfurt für Finanzrechtler, ist Berlin für Öffentlich-Rechtler", sagt Wolfers, der jetzt die Rechtsgeschichte fortgeschrieben hat. Denn er hat für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer im Auftrag des Bundes das Enteignungsgesetz begleitet, das beim notleidenden Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate zur Anwendung kommt. Niemals würde er es an die große Glocke hängen, aber in Fachkreisen ist längst bekannt, dass er am Entwurf wesentlich Hand angelegt hat. So lobte etwa die "Süddeutsche Zeitung" die fachliche Qualität des "Finanzmarktstabilisierungsergänzungsgesetzes" , das in kürzester Zeit "im Feuer des brennenden Bankinstituts geschmiedet worden ist."

Wolfers gehört mittlerweile zum engeren Beraterkreis des Bundesfinanzministeriums, auch den Weg zum Bundeskanzleramt finde er "ohne fremde Hilfe", wie ein Kollege augenzwinkernd formuliert. Der Aufstieg von Wolfers geht einher mit der wachsenden Bedeutung des Öffentlichen Rechts. Denn immer mehr Wirtschaftsbereiche werden reguliert, und Regulierung ist ein Kernbereich des öffentliches Rechts. Einen zusätzlichen Schub hat das Thema durch die Finanzkrise erhalten. Die Krisenbewältigung erfolgt ganz wesentlich durch öffentlich-rechtliche Instrumente. Das Handeln des staatlichen Rettungsfonds Soffin ist beispielsweise öffentlich-rechtliches Handeln. Und auch die deutsche Bankenbranche wird nicht vom Aktienrecht dominiert, denn schätzungsweise 60 Prozent existieren als öffentlich-rechtliche Institute.

"Mit der Rückkehr des Staates in die Schlüsselbranche Banken erleben die öffentlich-rechtlichen Spezialisten einen Boom", sagt ein Kollege in Frankfurt. Wolfers sieht sich selbstkritisch als Perfektionist mit einer "Leidenschaft für Grundlagen." Verhandlungsteilnehmer - etwa beim Verkauf der Bankgesellschaft Berlin - beschreiben ihn schon mal als "harten Hund zu später Stund", der nichts mehr hasse als schlechte Vorbereitung.

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