Portrait
Der General-Electric-Zögling

Er hat sich lange geziert, genau zwei Jahre. Nun wird er es doch. Erst nach langem Werben und intensiven Verhandlungen ist W. James McNerney jr. bereit, seinen Spitzenposten bei 3M aufzugeben. Nun wechselt der 55-Jährige zum 1. Juli als Vorstands- und Aufsichtsratschef zum führenden US-Flugzeugbauer und Rüstungskonzern Boeing Co., Chicago.

Gestern verteilte der Mann mit dem zurückgekämmten grauen Haar bei einer Telefonkonferenz schon mal Blumen. „Strategie und Finanzkraft von Boeing sind exzellent“, lobte McNerney. Aber dann sagte der neue Chef, wo es noch klemmt beim weltgrößten Luft- und Raumfahrtkonzern: „Ich werde mich auf das operative Geschäft mit den Kunden konzentrieren und versuche, die Mitarbeiter wieder zu begeistern.“

Deren Laune hat in den vergangenen zwei Jahren unter einer Serie von Skandalen gelitten. Seit Dezember 2003 ist McNerney nun schon der dritte Vorstandschef bei dem Luftfahrtriesen. Im März dieses Jahres war sein Vorgänger Harry Stonecipher (68) über eine Liebesaffäre mit einer anderen Boeing-Managerin gestolpert.

Um den Ruf des Unternehmens in der Öffentlichkeit und in Washington zu reparieren, suchte der Boeing-Aufsichtsrat unter Führung von Lewis Platt, dem ehemaligen Chef von Hewlett-Packard, bevorzugt einen externen Kandidaten. James Bell, der nach dem Rücktritt von Stonecipher den Vorstandsvorsitz kommissarisch übernahm, war nie ein ernster Kandidat. Er kehrt auf seinen Posten als Finanzchef zurück.

McNerny war von vornherein Spitzenkandidat. Seine Wahl bedeutet, dass die beiden aussichtsreichsten internen Bewerber um den Chefposten, James Albaugh und Alan Mulally, ein zweites Mal übergangen wurden. Albaugh leitet Boeings Rüstungsbereich, Integrated Defense Systems, der etwa 60 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet. Mulally ist Chef des Zivilflugbereiches, Boeing Commercial Airplanes, der jüngst eine Serie von großen Aufträgen buchte und mit der 787 eine neue Jet-Familie erfolgreich im Markt platzierte. Sie zogen bereits den Kürzeren, als Stonecipher als Nachfolger des im Dezember 2003 zurückgetretenen Phil Condit aus dem Ruhestand geholt wurde.

„McNerney ist nach unserer Ansicht schon seit ein paar Jahren der beste Kandidat für Boeing. Er hat Erfahrung im Luftfahrt- und Rüstungsgeschäft und hat bewiesen, dass er ein starker Manager ist“, sagte gestern Analyst George Shapiro von Citigroup Smith Barney.

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