Portrait
Erfinder und Freund des guten Mutes

Berthold Leibinger hat aus der Maschinenfabrik Trumpf eines der wichtigsten Unternehmen der deutschen Lasertechnik gemacht. Sein Erfolgsgeheimnis: kalkuliertes Risiko.

KÖLN. Es war 1992, und Berthold Leibinger machte es sich nicht leicht. Zwei Jahre hatte sein Unternehmen Verluste geschrieben, zum ersten Mal seit Kriegsende. Leibinger hatte gerade 200 Stellen gestrichen, als man ihm die Firma Haas Laser aus dem Schwarzwald zum Verkauf anbot, einen Hersteller von Festkörper-Lasern. Das war zwar eine ideale Ergänzung zu seinen eigenen Kohlendioxid-Lasern. Aber Haas war damals genauso defizitär wie Trumpf.

Leibinger sicherte sich also ab. Er schickte sogar einen Experten für Kriegsschäden und ließ das Haas-Gelände nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg absuchen - im tiefen Schwarzwald. "Es ging zwei Schritte voran und einen zurück", erinnert sich Leibingers damaliger Verhandlungspartner Carl Haas. Schließlich schlug der Trumpf-Chef ein - und seine Rechnung ging auf. Heute ist Haas ein Standbein von Trumpf.

Wenn Berthold Leibinger aufzählt, was ein Unternehmer braucht, spricht er am liebsten über den Mut zum Risiko. Wenn er Gründe nennt, warum es in Deutschland nicht besser läuft, dann beklagt er, dass ein Meer von Verordnungen diesen Mut erstickt. "Er sucht die Herausforderung", sagt Dieter Fritsch, Rektor der Universität Stuttgart. "Natürlich versucht er, das Risiko kalkulierbar zu halten." Fritsch ist Leibinger heute noch dankbar, dass er sich in den achtziger Jahren beim damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth für das Institut für Strahlwerkzeuge stark machte, das sich mit Lasertechnik beschäftigte. Nicht unbedingt aus purem Altruismus: "Es war ihm wichtig, dass er ein Kompetenzzentrum in der Nähe hat", sagt Fritsch.

Kurz zuvor hatte Leibinger nämlich mit einer anderen Forschungseinrichtung Schiffbruch erlitten. Die Laser, die Trumpf für seine Maschinen aus den USA geliefert bekam, waren dem Chef nicht gut genug gewesen - also hatte er ein Team seiner Firma gemeinsam mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Stuttgart an einem eigenen Trumpf-Laser arbeiten lassen. Doch kurz vor Projektende zeigte sich: Das DLR-Konzept war für den Maschinenbau nicht geeignet.

Seite 1:

Erfinder und Freund des guten Mutes

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%