Portrait: Frank Thielert
Pilot auf turbulentem Flug

Frank Thielert will mit seinen Dieselmotoren für Kleinflugzeuge den Markt aufrollen. Doch er muss derzeit vor allem um eines kämpfen: Vertrauen.

HB LICHTENSTEIN. Der Mann mit dem lichten Haaransatz über der Stirn ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Seine Worte sind sachlich – in jeder Sekunde, in jeder Minute hat er sich im Griff. Lediglich die hin und wieder zusammengekniffenen Augen verraten: Es tut sich was hinter der äußeren Fassade.

Das wundert nicht. Frank Thielert, Gründer, Großaktionär und Vorstandschef des Flugzeugmotoren-Spezialisten Thielert, muss derzeit kämpfen – und das gleich an mehreren Fronten. Er führt nicht nur eine Privatfehde gegen einen seiner früheren Investoren – erst in der vergangenen Woche durchsuchten Ermittler deshalb seine Räume, wie jetzt bekannt wurde. Es geht auch um Thielerts Glaubwürdigkeit und die des Flugzeugmotorenherstellers.

Dabei sind der Unternehmer und sein Unternehmen eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Thielert baut Motoren für Kleinflugzeuge. Das Besondere: Die Aggregate basieren auf Automotoren, in diesem Fall auf Motoren von Daimler. Bislang galt die automobile Technik als ungeeignet für „höhere Aufgaben“, schließlich herrschen dort oben komplett andere Verbrennungsbedingungen als am Boden. Doch Thielert schaffte das Unmögliche.

Nun stehen im sächsischen Lichtenstein und Altenburg zwei Hallen, in denen der Charme eines erfolgreichen Jungunternehmers zu spüren ist. Man ist per Du, auch mit dem Chef. Eng geht es zu, auf Hochtouren wird gearbeitet. Als genialer Tüftler gilt Thielert mittlerweile bei vielen, ein Attribut, das dem gelernten KFZ-Mechaniker gar nicht schmeckt. „Ich bin kein Tüftler. Auf die Idee hat mich ein Kunde aus dem Rennsport gebracht.“

Doch nun ist sein technologischer Erfolg bedroht. Seit gut einem Jahr ermitteln die Behörden wegen des Streits mit seinem früheren Investor Marco Hahn. Thielert wirft Hahn vor, er habe angeblich geliehene Aktien nicht zurückgegeben.

In der vergangenen Woche durchsuchten Ermittler die Räume von Thielert und Aufsichtsratschef Georg Wittuhn. Hintergrund sind Zweifel an der Echtheit des Vertrages über die Aktienleihe. Laut Staatsanwaltschaft geht es um den Verdacht des gemeinschaftlichen Betrugs und der gemeinschaftlichen Urkundenfälschung und gemeinschaftlicher falscher Verdächtigungen. Harter Tobak, zumal die Ermittlungen Folge eines Strafantrags gegen Hahn sind, den Thielert selbst stellte.

Doch Thielert bleibt weiter entspannt: „Ich habe mir erklären lassen, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen einleiten musste, auch wenn die übrige Beweislage ein klares Bild zu Lasten von Herrn Hahn ergibt“, sagt er.

Da ist er wieder, der Optimismus des Unternehmers Thielert. „Herr Thielert gibt nicht so schnell auf, glaubt immer an eine Lösung“, beschreibt ein Weggefährte den 43-Jährigen, der nach der zehnten Klasse die Schule abbrach und eine Mechaniker-Lehre startete. Auch das Studium schmiss er. „Ich war schon immer ein ungeduldiger Mensch, auch bei meiner Ausbildung. Heute würde ich in diesem Punkt allerdings einiges anders machen“, sagt Thielert.

In der Firma würde er vieles hingegen wieder genauso machen. „Wir haben eine sehr unruhige Situation. Dennoch würde ich jederzeit wieder an die Börse gehen, einfach weil ich keine alternative Finanzierungsform für ein Unternehmen wie unseres sehe“, sagt er selbstbewusst und weiß doch: „Für unser Geschäft, nicht zuletzt auch für unsere Mitarbeiter wäre es gut, wenn wieder mehr Ruhe einkehren könnte.“

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