Portrait
Hans Martin Bury: Ein ständiger Grenzgänger

Tausendsassa Hans Martin Bury wechselt den Job und wird PR-Profi. Selbst Kritiker bescheinigen dem ehemaligen Staatsminister und Lehman-Vorstand hervorragende Kontakte. Ob die ihm jedoch immer geholfen haben, ist umstritten.

FRANKFURT. Eigentlich hätte Hans Martin Bury gut und gerne eine Weile abtauchen können. So wie es der Hobby-Taucher gerne privat macht, wenn es die Zeit zulässt. Denn die vergangenen Wochen seit der Pleite von Lehman Brothers Mitte September dürften für den Vorstand der deutschen Tochtergesellschaft durchaus anstrengend gewesen sein. Noch etwas grauer sei sein Haar zuletzt geworden, heißt es. Doch der 42-Jährige hat sich wohl lieber für sein zweites Faible entschieden: den Grenzgang. Und so wird der Mann, der vom gelernten Genossenschaftsbanker zum Staatsminister im Kanzleramt unter Gerhard Schröder aufstieg, dann Investmentbanker bei Lehman wurde, einmal mehr sein Fach wechseln. Ab April arbeitet Bury für die renommierte PR- und Investor-Relations-Agentur Hering Schuppener in Frankfurt.

"Das ist der Merger meiner persönlichen Erfahrungen in Banking und Politik", sagt Bury, wenn man ihn auf den Wechsel anspricht. Künftig werde es nicht mehr reichen, Unternehmens-Kommunikation alleine auf die Interessen der Aktionäre auszurichten. Die Gesellschaft, aber auch die Politik insgesamt müssten mit eingebunden werden.

Hering Schuppener, in Deutschland mit 125 Beratern tätig, will mit Bury gleich ein neues Geschäftsfeld aufbauen. "Corporate Affairs" soll an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft liegen - und personell in den kommenden Jahren kräftig wachsen. Neu ist das Konzept nicht: Auch beim Wettbewerber CNC steht mit Sigmar Mosdorf ein Ex-Staatssekretär an der Spitze. Und pflegt die Kontakte zu Politik und Verbänden.

Angeblich hatte Bury auch Angebote von Nomura, der japanischen Großbank, die sich Teile von Lehman gesichert hat. Außer Frage ist, dass kaum jemand so gut wie er verdrahtet ist. "Bury ist ein extrem guter Netzwerker", heißt es auch bei der Konkurrenz über ihn. Die "kleine Regierungslokomotive" - wie der Spiegel den verheirateten Vater eines Kindes einmal nannte - wisse genau, wen man im Zweifelsfall anrufen müsse.

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